Darf ich vorstellen: Der Zeigarnik Effekt.

Weil Ruhe im Kopf nicht von alleine kommt.

Das Problem:

Vielleicht kennst Du das: Du verbringst gerade ganz entspannt Deinen wohlverdienten Feierabend und lässt es Dir gut gehen mit einem Glas Wein oder Deiner Playstation oder Deinem Partner oder mit allen drei gleichzeitig. Ganz gelassen im Hier und Jetzt. Doch auf einmal schießt Dir wie aus dem Nichts der Gedanke an ein Projekt oder eine unerledigte Aufgabe aus dem Büro durch den Kopf. Dein Blutdruck steigt. Du spürst einen kurzen, knackigen Adrenalinstoß. Automatisch überlegst Du, wie Du das Projekt oder die Aufgabe weiter angehen wirst. Ein Teil Deiner Aufmerksamkeit wandert vom Feierabend weg ins Büro und macht sich dort zu schaffen. Gleich wirst Du zwar wieder zurück sein und Dich weiter an dem Abend erfreuen. Aber die entspanne Stimmung ist erstmal dahin. Die Gemütlichkeit dieser wenigen freien Stunden ist angekratzt.

Gefahr erkannt, Gefahr gebannt: Der Zeigarnik-Effekt.

Was steckt dahinter? Ein zunächst simples Prinzip. Ohne klare Linien verschwimmen die Übergänge. Farben verlaufen ineinander. Gase vermischen sich. Wer sich jemals mit Hypnose beschäftigt hat, dem ist eine Anwendung dieses Prinzips vertraut. Man nennt es dort ‚Open Loops‘: Man fängt an, eine Geschichte zu erzählen und beginnt zwischendurch eine völlig andere Geschichte. Den Übergang gestaltet man sanft. Im besten Falle wird der zu hypnotisierende ihn gar nicht bewusst wahrnehmen. Sein Unterbewusstsein wird sich indes weiter mit der angefangenen Geschichte beschäftigen und eigene Ideen dazu generieren. Dasselbe passiert Dir übrigens immer dann, wenn Dir die Antwort auf eine Frage nicht einfällt, Du Dich einem anderen Thema zuwendest und auf einmal ganz unverhofft die Antwort doch hochschießt. Dahinter verbirgt sich der sogenannte ‚Zeigarnik-Effekt‘: Unerledigte Aufgaben schwirren durch die Gedanken und tauchen immer wieder auf. Und das auch zu Unzeiten.

So arbeitet das Gesamtsystem ‚Mensch‘ in psychologischer Hinsicht. Leider wird uns in der Schule nicht beigebracht, wie wir damit am besten umgehen können.

Was nun anfangen mit dieser Erkenntnis? In einem anderen Beitrag wird es bei Gelegenheit darum gehen, wie Du Loops bewusst offen lassen kannst, damit Dein Unterbewusstsein damit spielt und arbeitet. Der hiesige Artikel handelt folgend davon, wie Du Loops schließt, wie Du die offenen Enden Deiner Geschichten einfängst, damit sie Dich nicht in unpassenden Momenten überrumpeln.

Als Beispiel dient ein mögliches Feierabendritual. Denn dafür passt die hier darzustellende Methode so hervorragend. Natürlich kannst Du die darin enthaltenen Techniken auch in jeder anderen Situation anwenden.

Zeigarnik-Effekt nutzen

Der Feierabend Reflex

Wie eingangs kurz geschildert: Wenn die Uhr den Feierabend einläutet, tendieren die meisten dazu, alles stehen und liegen zu lassen, sich den Mantel zu schnappen und das Weite zu suchen. Das scheint so etwas wie ein natürlicher Reflex zu sein. Das Problem daran? Unbeendete Angelegenheiten schwirren durch die Peripherie des Bewusstseins und behindern Gelassenheit und Entspannung im wohlverdienten Feierabend. Dergleichen schlägt sich nieder in kreisenden Gedanken, ungewünschten Einfällen zu Arbeitsprojekten und einem Gefühl unterschwelliger Ruhelosigkeit.

Wie ein einfaches Ritual Abhilfe schafft

Schritt 1

Reserviere Dir 15 Minuten vor Feierabend für das Folgende: Mache eine Liste mit den offenen Enden des Tages. Das sind Projekte, die Du heute betreut aber noch nicht abgeschlossen hast. Anfragen, die Du alsbald, aber eben nicht mehr heute erledigen möchtest. Ideen, die Du zwischendurch hattest. Und dergleichen mehr.

Dadurch geistern Dir diese Inhalte nicht weiter durch den Kopf, sondern kommen Schwarz auf Weiß zur Ruhe. Bereit, um sie bei Gelegenheit zu attackieren.

Das ist in etwa so, als würde man das zerfaserte Ende eines abgerissenen Schnürsenkels mit Wachs oder Tesafilm versiegeln. Es franst nicht mehr weiter aus.

Schritt 2

Stelle Dir eine Agenda für den Folgetag zusammen.

Welche der heute nicht erledigten Aufgaben sind morgen anzugehen? Was ist besonders wichtig wegen einzuhaltender Fristen oder wegen hohen Einflusses auf Projekte und sollte daher hohe Priorität erhalten? Entscheide für den Folgetag zwei bis drei Prioritäten. So hast Du einen Fahrplan, dem Du folgen kannst und von dem Du weißt, dass er Dich voranbringt. Alles bedeutsame ist übersichtlich beisammen in einem Topf, aus dem Du Dich am Folgetag einfach bedienen kannst, anstatt die lose verteilten Angelegenheiten erst wieder zusammen suchen zu müssen.

Gehst Du auf diese Weise vor, kannst Du sicher sein, dass Deine Projekte vorankommen und Du Dich Deinen Zielen näherst. Und Du brauchst Dich nicht weiter (bewusst oder unbewusst) mit der Frage beschäftigen, was als nächstes kommt. Sie ist beantwortet und die Antwort liegt bereit. Das führt sogar dazu, dass Dein Unterbewusstsein nun produktiv an der Liste für den Folgetag sich zu schaffen macht und Du, sobald Du Dich daran begibst, bereits mental optimal eingestellt bist für die Aufgabenlösung.

Schritt 3

Genieße Deinen Feierabend 🙂

Viel Freude dabei!


Wie wirst Du das Wissen über den Zeigarnik Effekt für Dich nutzen? Welche Gewohnheit wirst Du etablieren, um die hier vorgestellte Methode optimal in Dein Tun zu integrieren? Lasse es mich gerne wissen per Kommentar unter diesem Beitrag oder per Mail an kontakt@lionlogert.com

Klicke hier bei Interesse an einem Einzelcoaching.

Bis zum nächsten Mal

Dein Lion

6 Gedanken zu „Darf ich vorstellen: Der Zeigarnik Effekt.

  1. Intéressant. Der Versuch aufzuräumen dauert wohl lebenslang. Ich jedoch profitiere bewußt von den gut beschriebenen Gedanken und themenketten. Diese gleichzeitigkeit abzubilden ist eine großartige Herausforderung. Viele Grüße diekopistin

    1. Deine Worte klingen interessant und einsichtsreich, teilweise bleiben sie für mich sehr abstrakt – führe das also gerne weiter aus wenn Du Zeit und Lust hast.

  2. Witzig, obwohl ich sogar selbst Hypnose schreibe und vertone war es mir nie richtig bewusst, dass das klarerweise auch im „wachen“ Leben eine Rolle spielen kann. Vielen Dank. Ich führe übrigens ein Bullet Journal und trage dort alles ein. Ich habe auch eine eigene Seite wo ich auch einfache Gedanken oder Ideen schnell notieren kann. Es hat schon was von Magie, wenn man selbstständig gemachte Gedanken auf Papier bannt. 🙂

    1. Welche Arten von Hypnosen machst Du?

      Ich banne auch viele Gedanken augenblicklich auf Papier oder in Dateien/Apps, was mich in den letzten Jahren sehr weitergebracht hat auf meiner Lernkurve 🙂

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