Was ist Life-Coaching?

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Was macht ein Life Coach? Was kann er? Wie läuft ein Coaching ab? Wenn in Gesprächen das Thema Coaching aufkommt dann löst das häufig eine Mischung aus Interesse und Verwirrung aus.
In vielerlei Hinsicht liegt das darin begründet, dass ‚Coaching‘ eine an sich nicht trennscharf abgrenzbare Materie ist. Die Übergänge zu anderen Gebieten sind fließend und verschiedene Coachingprozesse können sich derartig unterscheiden, dass man nicht auf die Idee käme, dass sie auf derselben Methodik fußen.
Hier werde ich daher einige der Grundlagen erläutern, die im Coaching omnipräsent sind und die daher in wohl jedem Coachingprozess in der ein oder anderen Form vorkommen. Sie vermögen den Zugang zu einem ganzheitlichen Verständnis zu verschaffen und können mögliche Antworten auf oben genannte Fragen darstellen.

1 – Der Coach glaubt an Dich

Coaching zielt darauf, gesundes Selbstvertrauen zu vermitteln indem der Coach dem Klienten das entsprechende Zutrauen schenkt. Jemanden an der Seite zu haben, der einem das Gefühl gibt, dass man es schaffen kann und der einem vor allem auch mit ganzem Herzen den Erfolg wünscht, ist ein wahnsinnig erhebendes Gefühl, das alleine schon zu neuen Taten und Inspirationen anfachen kann. Das authentisch strahlende Lächeln eines Menschen, der sich über meinen Erfolg freut und mich auch nicht heimlich darum beneidet lässt mich zu Hochformen auflaufen.
Mangelndes Selbstvertrauen auf der anderen Seite ist wohl einer der häufigsten Gründe für nicht erreichte Ziele und unzufriedene Leben. Teilweise ist dies von der Außenwelt induziert. Die Medien vermitteln das Bild, dass jeder alles erreichen kann und zeichnen Idealbiographien von ewig gut gelaunten Erfolgsmenschen, denen eine jede Errungenschaft nur so zuzufliegen scheint. Dass hinter fast jedem Erfolg eine Reihe von Fehlschlägen, Enttäuschungen und Momenten der Verzweiflung steckt, das wird in der Regel nicht erwähnt. Es wird so dargestellt, als ob alles einfach gewesen wäre. Der Mensch neigt zum Vergleich, fühlt sich gegenüber diesen Idealbildern minderwertig. Aber auch im eigenen Umfeld finden sich meist gewichtige Dämpfer für ein gesundes Selbstvertrauen. Freunde und Familie suggerieren, dass das Streben nach Erfolg eine riskante Angelegenheit ist und wir uns nicht übernehmen sollen. Sie meinen das nicht böse. Sie sind einfach besorgt um uns. Und sie haben Angst, dass wir uns nicht mehr blicken lassen, wenn wir ‚es geschafft haben‘. Der Status Quo ist eine mächtige Instanz. Man muss ihr mit einer gehörigen Portion Mut und Selbstvertrauen begegnen. Dabei hilft das Coaching.
Warnung: es kann sehr riskant sein, sich zu überschätzen in dem man ein Zuviel an Selbstvertrauen aufbaut, das mit der Realität nicht mehr in Einklang ist. Sogenannte Overconfidence. Man trifft Entscheidungen, die die eigenen Fähigkeiten weit übersteigen und einen dadurch überfordern. ‚Overconfidence‘ ist also auch keine dauerhafte Lösung (obgleich sie eine sehr effektive Methode sein kann, um zu testen, worum es einem wirklich geht, indem man sich in den Zustand der ‚Overconfidence‘ versetzt und von dort aus nächste Schritte ersinnt).
Daher zur Klarstellung: der Coach gibt dem Klienten nicht das Zutrauen von Unmöglichem. Darum geht es nicht. Ich coache niemanden, damit er sich traut, vom Dach eines Hochhauses zu springen, weil er das Selbstvertrauen hat, fliegen zu können. Als Coach vermittle ich meinen Klienten das Selbstvertrauen, das erreichen zu können, was er wirklich will. Der Weg zur Erkenntnis dessen, was wirklich gewollt ist, ist ein weiterer Coachinginhalt, der weiter unten noch besprochen wird.

2 – Der Coach hält Dich rechenschaftspflichtig

Erfolg und Fortschritt sind selten die Folgen einmaligen Handelns. Die heftigen ‚Breakthrough‘ Momente kommen vor und sind wichtig, sie sind aber vergleichsweise selten. Der meiste Fortschritt geschieht schrittweise, Tag für Tag, Stunde für Stunde, zwischen den Zeilen. Er findet statt und wir bemerken ihn vielleicht gar nicht und hier liegt ein Problem, das ein Coaching löst. Denn während wir in der Abwesenheit von klar erkennbaren Erfolgen zu Frustration und Langeweile neigen, macht der Coach bewusst, dass ein Vorankommen stattfindet und sorgt dafür, dass wir dran bleiben und nicht nachlassen. Außerdem zeigt er auf all die zahllosen kleinen Einzelschritte, die einem bisweilen im Angesicht der großen Visionen als unwichtig und nebensächlich vorkommen, die aber in der Tat in ihrer Summe den Großteil eines jedes Erfolges ausmachen.
Wichtig ist dabei, dass es eine externe Kontrolle sowie einen simplen Anreiz zum Weitermachen gibt. Wenn man im Vornherein weiß, dass man sich rechtfertigen wird müssen, falls man etwas nicht geschafft hat, schafft man automatisch mehr. So können wir unsere Natur als Herdenwesen, die wir anfällig für sozialen Druck sind, zu unserem Vorteil gebrauchen.
Auf diese Weise gelangen wir zu Ausdauer, die unabdingbarer Inhaltsstoff eines jeden Fortschritts ist. Denn tatsächlich ist Erfolg zu 1 % Inspiration und zu 99 % Transpiration.

3 – Der Coach vermittelt Einsicht und (Selbst-)Erkenntnis

Eine Szene aus dem Film ‚Bruce allmächtig‘: die Hauptfigur fragt Gott, warum er den Menschen nicht einfach gibt, was sie wollen. Gott antwortet mit einer Gegenfrage – seit wann wissen die Menschen, was sie wollen? Es braucht Selbsterkenntnis in der Weise, dass wir uns unserer eigenen tieferen Beweggründe bewusst werden und dadurch überhaupt erst in eine Richtung steuern können, die uns glücklich zu machen vermag. Jenseits der extern eingeflößten Vorlieben für Ruhm, Reichtum & Co. gibt es eine viel größere und qualitativ völlig andere Bandbreite an Lebensinhalten, die ein Menschenleben ungemein bereichern können. Die eigenen Motive und Themen zu erkennen ist ein Prozess, den das Coaching gezielt anvisiert und befördert.

Neben den persönlichen Zielen und Wünschen bleiben auch die ‚wahren Baustellen‘ oft unklar. Es ist wie in der Geschichte von dem Mann, der seinen Schlüssel unter der Laterne sucht obgleich er ihn im Gebüsch verloren hat. Was in dieser Geschichte völlig offensichtlich erscheint – dass der Weg nicht zum Ziel führen wird – ist für viele Menschen gänzlich uneinsichtiger Nährboden von Frust und Enttäuschung. Wie die Wespe im Sommer fliegen sie immer und immer wieder gegen die Fensterscheibe und bemerken nicht, dass wenige Zentimeter weiter der Schlitz in die Freiheit (Lösung) verfügbar ist. Der Coach deutet auf bislang nicht gesehene Möglichkeiten, schärft den Blick für Ressourcen und Optionen und begleitet auf dem Weg in die neue Flexibilität.

4 – Der Coach gibt Anleitung, Strategie und Inspiration

Ein Coach ist häufig jemand, der die Ziele des Klienten bereits selbst erreicht hat und daher Wege und Methoden kennt, um diese zu verwirklichen. Dadurch ist er fähig, dem Klienten einen für ihn gangbaren Weg aufzuzeigen und er kann ihn auf diesem Weg begleiten. Anleitung bedeutet an diesem Punkt, Ressourcen aufzudecken und mögliche nächste Schritte zu vermitteln. Der Coach projiziert die vorhandenen Optionen auf seinen Klienten. Er lässt ihn durch gezielte Fragestellungen immer weiter erkennen, welche Handlung jetzt für ihn die Beste ist. So kann eine Art Schatzkarte gezeichnet werden. Anfangs hat der Klient vorher nur eine diffuse Vorstellung davon, wie er sein Ziel vielleicht erreichen könnte. Im Coaching entwickelt er dann zusammen mit dem Coach eine detaillierte Marschroute, an der er sich fortan orientieren kann und die ihm konkrete Handlungsoptionen und Möglichkeiten für nächste Schritte an die Hand gibt.
Inspiration findet im Coaching ständig statt. Während dem Begriff der ‚Anleitung‘ der Beigeschmack von Linearität anhaftet, ist die ‚Inspiration‘ flüchtig, irgendwie ein bisschen magisch. Inspiration bedeutet, die Dinge anders zu sehen als bisher. Inspiration bedeutet, Lebendigkeit zu spüren und die Macht, das Leben selbst zu gestalten. Inspiration bedeutet, größer zu träumen als jemals zuvor.

Etwas weniger pathetisch und dafür pragmatischer ausgedrückt: Anleitung ist Antrieb für den Verstand. Inspiration ist Antrieb für das Herz.

Im Moment der Inspiration werden wir uns unserer eigenen Wünsche und Vorstellungen, aber auch unserer Ängste und Blockaden bewusst. Inspiration heißt insoweit, durch ein Erkennen im Außen eine Resonanz mit dem eigenen Sein zu fühlen und folgend zu einem Mehr an Einsgerichtetheit (Alignment) zu gelangen. Der Inspirierte wächst gerade über seine Probleme hinaus, denn die Inspiration verschafft ihm eine neue Perspektive. Eine Perspektive, in der seine Probleme keine mehr sind. So kommt es, dass seine Handlung sich beinahe wie von selbst frei entfaltet, weil sie der Freude an der Tat und nicht der Angst vor der Untätigkeit entspringt. Er erlebt Flow und Erfüllung in seinem Tun ohne Anstrengung.

5 – Der Coach gibt Dir einen wohlwollenden Tritt in den Hintern

In mancherlei Hinsicht ist das der vielleicht wichtigste Unterschied zwischen einem Coach und der besten Freundin. Der Coach vermittelt keinen Komfort. Im Gegenteil. Der Coach nimmt dem Klienten auch nicht seine kleinen Geschichten ab, warum etwas wieder nicht funktioniert hat. Der Coach glaubt an seinen Klienten und nicht an seine Probleme. Der Coach schubst Dich ins kalte Wasser. An der tiefen Stelle. Denn er weiß besser als Du selbst, wie gut Du schwimmen kannst. Er bringt Dich dazu, das zu tun, von dem Du dachtest, es sei unmöglich. Und wenn das passiert, dann ändert sich alles. Wenn Du Deiner Herausforderung tief ins Auge blickst und Sie meisterst und spürst, dass Du in einer neuen Realität, in einem neuen Leben angekommen bist, dann hast Du etwas richtig gemacht. Der Weg dorthin ist selten leicht, meistens ist er sogar richtig hart; so hart, dass Du, obwohl Du instinktiv weißt, dass er der für Dich richtige ist, dennoch allerhand Ausweichtaktiken ersinnen wirst, um gemütlich zu bleiben. Der Status Quo ist eine mächtige Instanz. Alles in Dir wird sich gegen die Veränderung wehren, die Dich weiterbringt. Dran zu bleiben und genau diesen einen, unglaublich harten Schritt zu beschreiten, dabei hält und unterstützt Dich ein Coach und lässt Dich spüren, dass es in Deiner Macht liegt, Dein Leben zu einem Meisterwerk zu machen.
Und auf dem Weg dorthin ist manchmal der beherzte Tritt in den Hintern genau das, was Du am meisten brauchst; besonders dann, wenn Du es am wenigsten möchtest.


Das waren sie, die aus meiner Sicht essentiellen Bestandteile von Coachingprozessen. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Interesse an mehr? Dann schicke mir gerne eine Nachricht über die Kontaktform.

Bis zum nächsten Mal

Dein Lion

Kommentare gerne an kontakt@lionlogert.com

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