Was Coaching NICHT ist

Manches begreift man am besten durch die Betrachtung seines Gegenteils.

Deswegen folgt auf den früheren Beitrag „Was ist Life-Coaching?“ hier nun dessen Antagonistin: was Life-Coaching nicht ist.

Und das nun ohne weitere Vorrede. In medias res – Was Coaching NICHT ist:

  1. Der Coach ist nicht Dein bester Freund

Der Coach wird Dich nicht in den Arm nehmen. Aber er wird Dich auch nicht AUF den Arm nehmen. Ein wichtiger Satz, den ich einst von einem Coach zu hören bekam, war: „Lion, Du hast eine sehr eloquente Art, Dich selbst zu verarschen.“ Er sagte das völlig sachlich und informativ und er lag zermürbend richtig mit seinem schneidenden Scharfsinn. Ich hatte ihm gerade erklärt, warum ich einen bestimmten Veränderungsprozess so nicht durchlaufen kann und ihm eine Liste von guten Gründen aufgeführt. Die er mir nicht abkaufte. Zum Glück. Er sagte den zitierten Satz nicht ohne Empathie. Im Gegenteil. Ich spürte, dass er auf meiner Seite war und mich auf meinem Weg unterstützen wollte. Aber er wusste, dass er mir kein Gefallen tun würde mit Verständnis und netten Worten. Also verpasste er mir die kalte Dusche. Und ich sah die Dinge klarer.

  1. Ein Coaching ist kein Expertengespräch

Bei diesem Unterpunkt geht es um den Unterschied zwischen ‚Coaching‘ und ‚Consulting’. Die Terminologie ist in diesem Bereich zwar nicht völlig normiert. Aber es besteht weitgehende Einigkeit darüber, dass Coaching im Gegensatz zum Consulting nicht vornehmlich die Vermittlung von Wissen anvisiert.

Tatsächlich kann es sogar hinderlich sein, wenn der Coach über zu viel Know-How aus dem Gebiet des Klienten verfügt. Eine gewisse Naivität wirkt überaus förderlich.

„Alle dachten, das sei unmöglich. Dann kam einer, der wusste das nicht, und hat’s einfach gemacht.“

Der Coach denkt außerhalb der Box des Klienten und gibt entsprechende Inputs. Diese zu integrieren ist für den Klienten bereits eine inspirierende und expandierende Herausforderung. Als Coach ist es hierbei wichtig, zu dieser Unwissenheit zu stehen und das Gespräch intuitiv zu führen. Es ist in Ordnung, sich gegenüber dem Klienten zu relativer Ahnungslosigkeit zu bekennen. Für das Coaching Gespräch kann es sogar erleichternd und produktiv wirken, wenn der Coach sich verletzlich zeigt.

  1. Ein (Life-)Coaching hat nichts mit einer bestimmten Sportart zu tun

Diesen Punkt anzuführen mag amüsant daherkommen. Die Erwähnung ist der Tatsache geschuldet, dass viele Menschen bei Coaching zunächst an Sport denken. Einst kam ich auf einer Reise mit meinem Sitznachbarn ins Gespräch. Er fragte mich nach meiner Profession. Um keine Rechtsfrage zu riskieren, antwortete ich schlichtweg, dass ich Coach bin. Er schaute mich leicht verdutzt an und meinte nach einigen Momenten. „Wie? Football, Basketball, oder was genau?“.

Life-Coaching kann beinhalteten, dass und wie jemand einer körperlichen Betätigung nachgeht. Muss es aber nicht. Die ersten Assoziationen zum Thema Coaching lauten indes bei vielen Zeitgenossen (noch) anderweitig. Dieses Begriffsverständnis ist im Wandel begriffen seit der Markt für Beratungsdienstleistungen explodiert. Vielleicht wird es nicht mehr lange dauern bis ein Unterpunkt wie dieser hier völlig redundant geworden ist. Für den Moment erscheint es mir aber noch angebracht, ihn hier erstmal stehen zu lassen. Und sei es nur für ein erfrischendes Schmunzeln.

  1. Coaching ist keine Comfort-Zone

Wenn der Coach schon kein bester Freund ist, was soll denn dann das hier jetzt noch bedeuten? In Punkt 1 (Ein Coach ist kein bester Freund) geht es um die Beziehung zwischen Coach und Klient. Hier bei der Absage an die Comfort-Zone geht es darüber hinaus um den Kontext, den das Coaching Gespräch vermittelt.

Während beispielsweise in einer Psychotherapie das Hauptaugenmerk bisweilen darauf liegt, zunächst eine Comfort-Zone einzurichten, aus der heraus die Person dann überhaupt erst weitere Schritte unternehmen kann, fährt Coaching einen beinahe gegenteiligen Ansatz: Coaching zielt darauf, den Klienten aus seiner Comfort-Zone heraus zu katapultieren. Beispielsweise bin ich fast immer zumindest leicht nervös, wenn ich mich als Klient in einer Coaching-Session befinde. Und das auf eine durch und durch positive Art. Denn ich bin gespannt auf das, was passieren wird und ich weiß, dass ich über mich hinauswachsen werde. Momente der Selbstüberwindung pflastern diesen Prozess. Ich werde Dinge tun, vor den ich mich bislang drückte und ich werde mir selbst in Grenzsituationen begegnen und dabei vielleicht Seiten von mir kennen lernen, denen ich bislang auswich.

Deswegen ist Coaching nicht für jeden Geschmack und nicht jeder ist für Coaching gemacht. Der Klient muss es wagen, die Hosen vor sich selbst herunter zu lassen, sich mit seinen Dämonen und seinen Schwächen zu konfrontieren und immer wieder an der tiefen Stelle ins kalte Wasser zu springen. Echtes Coaching ist nichts für schwache Nerven!


Reflexionen und Aktionen

Wieviel Coaching verträgst Du? Wo und wann möchtest Du über Deine Komfort-Zone hinauswachsen? Was hielt Dich bislang zurück? Und was bist Du bereit, jetzt für Deinen Fortschritt einzusetzen? Berichte es mir gerne per Kommentar oder melde Dich für ein transformatives Gespräch unter kontakt@lionlogert.com oder über diesen Link.

Ich freue mich darauf, Dich kennen zu lernen.

Bis zum nächsten Mal

Dein Lion

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