Darf ich vorstellen: Meditation

Von Vorzügen und Spielarten.

Martha Friedrich arbeitet seit sieben Jahren in einem mittelständischen Beratungsunternehmen. Mittleres Management. Nach ihrem Studium der Betriebswirtschaftslehre mit diversen Auslandspraktika unter anderem in den USA und in China hat sie dort angefangen und sich sofort wohl gefühlt. Sie genießt das Leben auf der Überholspur. Sie kleidet sich gerne sehr fein und schläft sehr wenig. Stilvolles Apartment mit Ankleidezimmer und würdiger Handtaschensammlung. Wenn man sie trifft, lächelt sie jovial und verbindlich. Ein kurzes Gespräch, dann geht es für sie gleich weiter. Zum nächsten Termin. Sie ist stets auf dem Sprung von A nach B. Stillstand ist ihr ein Gräuel. Was sie am meisten hasst, ist das Warten. Im Stau, in Schlangen, in der Bahn. Sie hat das Gefühl, dort aufgehalten zu werden und Zeit zu verlieren, die sie für ihre Karriere einsetzen könnte. Ihr Mobiltelefon klingelt ständig. Das Vibrieren in ihrer Handtasche ist ihr Lebenselixier. Sie wird gebraucht. Sie ist wichtig. Die nächste Herausforderung steht an und sie kann das tun, was ihr am meisten liegt. Bislang hatte sie Freude an diesem Lebensstil. In letzter Zeit aber hat sie manchmal Schwierigkeiten, einzuschlafen. Sie ist gereizt. Vor allem Geräusche treiben sie in den Wahnsinn. Letztes Wochenende hat sie die Nachbarn angeherrscht, die gerade einen Kindergeburtstag feierten. Martha hatte sonst nie etwas gegen Kinder, aber dieser Lärm! Dann und wann erwischt sie sich dabei, wie sie ihre Fingernägel kaut, hat deswegen in jüngster Vergangenheit zögerlich darauf verzichtet, sie sich exquisit herrichten zu lassen. Hinzu kommen diese kleinen Flüchtigkeitsfehler. Meistens nicht tragisch, bislang ohne Folgen. Doch sie ist verunsichert. Was, wenn sie sich doch mal einen größeren Schnitzer erlaubt? Die Fehlertoleranz in ihrem Beruf ist gering. Kleine Ausrutscher können große Folgen haben. Eine fehlerhaft weitergeleitete Information, eine falsche Kommastelle in der Kostenrechnung, dergleichen kann sich verheerend auswirken. Schließlich ist da die sanft nagende Unzufriedenheit. Diese zermürbende Mischung aus Langeweile und Stress. Nach sieben Jahren Berufserfahrung kennt Martha die meisten Aufgabentypen in- und auswendig. Viele Punkte ihrer heutigen To-Do-Liste hat sie in ähnlicher Fasson bereits hunderte oder gar tausende Male ausgeführt. Lähmende Routine. Andererseits die langen Arbeitstage. Vor 22 Uhr kommt sie selten nach Hause. Und um halb sechs Uhr morgens geht es wieder los. Ihre Verzweiflung wächst unmerklich.

Gibt es Hilfe für Martha? Ja. Eine ganz einfache und ständig zugängliche Methode:

Über Meditation

In diesem Text möchte ich Dir Meditation vorstellen, was sie Dir bringt und wie sie funktioniert. Ähnlich wie ‚Achtsamkeit‘ und ‚Entschleunigen‘ ist Meditation momentan eine Bewegung, gewissermaßen eine Mode. Bleibt zu hoffen, dass sie zu einem zeitlosen Klassiker in Sachen Lebensstil wird.

Zu meditieren bedeutet, sich zu zentrieren, die eigene Mitte zu finden. Der moderne Mensch des westlichen 21. Jahrhunderts neigt dazu, sich zu zerstreuen und sein Glück an äußere Umstände zu heften. Er lenkt seine Aufmerksamkeit in Sorgen statt Hoffnung, in Zukunft oder Vergangenheit statt Gegenwart, in Konsum statt Kreation. Das passiert mal mehr, mal weniger bewusst. Er führt sich selbst in eine Scheinabhängigkeit von Schicksal, vom Morgen, vom Anbieter der Konsumgüter. Erlernte Hilflosigkeit. Hinzu kommt der glorifizierte Burnout. Bist Du schwer beschäftigt, bist Du ein wertvolles Mitglied dieser Gesellschaft. Deine soziale Konditionierung belohnt Dich mit Glückshormonen.

Meditation hilft dabei, sich auf sich selbst zurück zu besinnen. Die Aufmerksamkeit nach Innen lenken, der inneren Stimme lauschen, die bisweilen im äußeren Lärm ertrinkt. Die eigene Natur erkennen, die Verbindung herstellen mit den ureigensten inneren Kräften, um dadurch ein authentisches, verantwortungsbewusstes, selbstbestimmtes Leben zu führen. Prioritäten entscheiden und herausfinden, was wirklich glücklich und zufrieden macht. Meditation leert den mentalen Arbeitsspeicher. Herumschwirrende Gedankenfetzen finden ihren Platz. Im Kopf aufräumen. Klarheit finden. Ein aufgewühltes Gewässer reinigt man am besten, indem man es einfach stehen lässt.

Spielarten.

Meditieren kann man auf viele Arten. Manch eine Fasson würde man nicht als Meditation erkennen. Indem Du Deine Aufmerksamkeit gezielt lenkst, Sinneswahrnehmungen fokussierst, Dich auf den Atem konzentrierst, kannst Du denkbar einfach in jeder Lebenssituation meditieren.

Im Folgenden eine kleine Aufzählung dreier Spielarten der Meditation.

1. Klassisch

In einem ruhigen Raum. Beine über Kreuz. Lotussitz. Gerader Rücken. Hände im Schoss oder auf den Knien. Konzentration auf den Atem und/oder auf ein Audio, das durch die Meditation führt. So stellen sich wahrscheinlich die meisten Menschen Meditation vor und es funktioniert auch wunderbar. Ich selber meditiere seit Jahren meist auf diese Weise, sitze dabei auf meinem Meditationskissen oder auf einer Faszienrolle. Sehr gerne lasse ich dabei auf niedriger Lautstärke meditative Klänge spielen. Die Musik nutze ich außerdem als Stoppuhr, indem ich bei einem Titel auf die letzten 20 oder 15 Minuten vorspule und an dessen Ende meine Meditation schließe. Mittlerweile dient mir dieses Ritual – mich in die Meditationshaltung begeben und die Musik einschalten – als Anker, durch den ich automatisch in einen meditativen Zustand gelange. Den meisten regelmäßig Meditierenden geht es ähnlich.

Meditation geht aber auch völlig anders. Lese weiter, um herauszufinden, wie.

2. Weniger offensichtliche Spielarten

Es gibt Menschen, denen ist die klassische Art der Meditation fremd. Irgendwo still herumsitzen und an nichts denken, wozu denn? Tony Robbins sagte dergleichen einmal in einem Interview. Das ist schlicht nicht jedermanns Sache. Glücklicherweise ist der Facettenreichtum möglicher Meditationspraktiken unendlich vielfältig. Erinnern wir uns noch einmal daran, was Meditation ist: die konzentrierte Aufmerksamkeit auf den Moment, auf die augenblicklichen Sinneserfahrung; an keine bestimmte Körperhaltung gebunden. Daher kann (fast) alles Meditation sein. Autofahren, Geschirrspülen, Gehen, Liegen, Sport. Der Schlüssel ist die gezielte Lenkung der Aufmerksamkeit in den Moment. Präsent sein. Das Jetzt erleben. Mit allen Sinnen. Den eigenen Körper spüren und seine Energie, seine Lebendigkeit. Du kannst jede Situation, jede Aktivität zu einer Meditation gestalten. Zum Beispiel während Du diesen Text hier liest: wie fühlt sich Dein Körper an, wie nimmst Du den Raum um Dich herum wahr, wie tief atmest Du, was hörst Du? Lenke Deine Aufmerksamkeit ins Jetzt, in Dein Erleben, in Deinen Körper, in diesen Moment. Auf diese Weise meditierst Du ganz einfach in jeder Lebenslage. Je mehr Du übst, desto leichter fällt es.

Extratip: Richte Dir eine regelmäßige Benachrichtigung ein und meditiere stündlich je zwei Minuten. Ganz gleich, was Du dann gerade tust, bist Du dazu immer in der Lage: Nehme fünf tiefe Atemzüge und werde Dir Deiner Umgebung gewahr. Lenke Deinen Fokus ins Hier und Jetzt. Das bedarf nur zwei Minuten. Und Du kannst das bei jeder Aktivität machen, außer beim Schlafen. Wenn Du 16 Stunden am Tag wach bist und Dich dieser Übung widmest, gelangst Du dadurch bereits zu über 30 Minuten Meditation.

3. Für Fortgeschrittene

Besonders spannend wird es dort, wo Du Deine Aufmerksamkeit intuitiv vom Augenblick weg bewegst und in andere Zeiten und in Gedanken steuerst. Wenn das passiert, wird meditieren schwieriger, bleibt aber möglich. Konfliktsituationen. Streit. Stress. So gut es Dir gelingt, bleibe in dem Augenblick präsent. Lausche den inneren Stimmen. Wie sie sich über das Außen aufregen, wie sie jemanden verteufeln, das Hier und Jetzt vehement ablehnen. Übe Dich darin, diese Deine Gedanken und Stimmen nicht ganz so ernst zu nehmen. Beobachte Deinen eigenen Gedankenfluss. Trete einen Schritt zurück genau dann, wenn es Dir besonders schwer fällt.

Wenn es lärmt, wenn Krieg herrscht in Deinen inneren Welten, dann besinne Dich auf einen inneren Frieden, entscheide Dich für innere Ruhe. Richte Deine Aufmerksamkeit auf das Stille, Unbewegte hinter all der Aufruhr. Während auf der Leinwand der Realität der Film Deines Lebens tobt und wütet, werde Dir der weißen, leeren Leinwand gewahr.

Das ist eine sehr intensive Übung, die anfangs äußerst herausfordernd sein kann. In etwa so, wie wenn Du von einem Säbelzahntiger* verfolgt wirst und Dich dazu zwingst, ruhig stehen zu bleiben und dem Raubtier in die Augen zu blicken. Was in Konfliktsituationen innerlich passiert, ist eine eben solche Verfolgungsjagd. Jedoch mit einem imaginären Gegner, der sich verflüchtigt wie eine Fata Morgana, sobald Du Dich ihm stellst. Du spürtest bislang die Schatten Deiner eigenen Gedanken im Rücken und Du merktest nicht, dass sie nicht real sind. Indem Du dem entschieden standhältst, löst sich vieles wie von alleine auf. Ein schmutziges Gewässer reinigt man am besten, indem man es einfach in Ruhe stehen lässt.


Schließende Worte

Meditation hilft bei Stress und sie hilft, bewusster zu leben. Die inneren Stimmen wahrnehmen, die innere Ruhe erleben. Verbindung zur Intuition. Blaise Pascal soll einst gesagt haben, dass das ganze Unglück der Menschen allein daher rühre, dass sie nicht ruhig in einem Zimmer zu bleiben vermögen. Meditation ist hier ein großartiges Antidot. Probiere Meditation für Dich aus und finde Deine Lieblingsvariante. Nehme Dir einige Wochen für Experimente und setze Dir einen Alarm auf Deinem Mobiltelefon, der Dich regelmäßig daran erinnert, eine kleine Meditation einzulegen. Wenn Du jede Stunde nur zwei Minuten einbringst, kommst Du an einem 16-Stunden-Tag schon auf eine gute halbe Stunde.**

Bis zum nächsten Mal

Dein Lion

* Ich weiß, die sind ausgestorben.
* * Ohne Taschenrechner geschafft.

Kommentare gerne an kontakt@lionlogert.com.

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