Über den gekonnten Umgang mit einem Kollateralgewinn

lesly juarez unsplash kollateralgewinn

Jeder kennt Kollateralschäden: Wenn eine Person aufgrund einer Handlung, die mit dieser Person in keinem Zusammenhang steht, einen zufälligen Schaden erleidet, ist das dramatisch. Nicht ungefährlich ist auch das Gegenstück des Kollateralschadens – der Kollateralgewinn: Eine Person erlangt aufgrund einer Handlung, die mit ihr in keinerlei Zusammenhang steht, einen Vorteil. Plakatives Beispiel: Ein Geldtransporter verliert seine Ware und der Fahrer bemerkt das nicht. Die Kollateralbeschenkte gewinnt einen Haufen Zaster. Oder jemand hat ausgesprochen gute Laune und lächelt und streift mit seinem Lächeln eine Passantin, die er gar nicht bemerkt, die es aber persönlich nimmt und sich freut. An sich ganz nett. Kann aber riskant sein.

Warum sind Kollateralgewinne riskant?

Der Mensch besitzt evolutionär bedingt eine ausgeprägte Fähigkeit, Muster und Zusammenhänge zu erkennen. Übrigens nicht nur der Mensch. Hundetraining beruht auf beinahe identischen Mechanismen wie denjenigen, die der Mensch für seine Verhaltenssteuerung anwendet. Stichwort Operante Konditionierung: Ein Verhalten wird mit einer Reaktion verknüpft. Für gewünschtes Verhalten gibt es eine Belohnung. Auf unerwünschtes Verhalten folgt eine Bestrafung. Nach und nach formt man so das gewünschte Verhalten. Den Prozess bezeichnet man als ‚Shaping‘.

Das Problem?

Diese Fähigkeit der Mustererkennung, die uns (bislang) gegenüber Computern überlegen macht, kann ein verheerendes Irrlicht auf dem Weg durch das Leben sein. Wir erkennen Muster und Zusammenhänge nämlich auch dort, wo sie gar nicht vorhanden sind. Wir verwechseln Kausalität mit Korrelation. Die Bescherungen von Geldtransportern und die zufällig uns zufallenden Lächeln erwischen uns und lösen ungünstige Strategien aus. Welche das sind und wie man dem vorbeugen kann, dazu jetzt:

Kollateralgewinne entspannt einfahren

1 – Nicht persönlich nehmen!

Kollateralgewinne sind nicht persönlich gemeint. Man könnte darüber streiten, was im Leben überhaupt persönlich gemeint ist. Jede menschliche Handlung hat vor allem mit dem Handelnden zu tun und weniger mit der von der Handlung betroffenen/beglückten Person. Kollateralgewinne sind demgegenüber völlig unpersönlich und es hilft, sich das bewusst zu machen. Sie haben nichts damit zu tun, wie Du aussiehst, wie Du Dich benimmst, wer Du bist. Es hätte genau so gut jemand anders treffen können. Es ist die höchste Ausgeburt der Beliebigkeit. Die Ambivalenz des Universums hat Dir ein Bonbon beschert. Also nichts drauf einbilden und einfach nur genießen.

2 – Die Hoffnung auf Mehr?

Punkt 1 betraf das innere Kino. Hier geht es nun um das entsprechende Handeln. Wenn etwas nicht persönlich gemeint ist und keinem bestimmten Muster folgte, bringt es auch nichts, zu versuchen, mehr davon zu bekommen. Oder würdest Du immer wieder zur selben Stunde diese eine Straße aufsuchen, in der einst ein Geldtransporter seine Ladung verlor? Würdest Du dieselben Schuhe anziehen, um einst wieder ein zufälliges Lächeln zu eraschen? Du erkennst selbst – dergleichen Strategien sind sinnlos. Kollateralgewinne folgen keiner Struktur. Du kannst sie nicht mit Deinem Tun herbeiführen. Sie sind Auswürfe eines Glücksspiels, von dem Du gar nicht wusstest, das Du es spielst. Also halte Dich zurück und konzentriere Dich stattdessen auf das, was Du gezielt beeinflussen kannst.

3 – Keine Unschuld verloren.

Von einem Kollateralgewinn „betroffen“ verfallen viele Menschen dem Glauben, sie wären nun in irgendeiner Form eine Gegenleistung schuldig. Sie denken, sie hätten das nicht verdient. Vor allem dann, wenn das Ereignis für sie in besonderem Maße positiv einschneidend ist. Denn sie haben den Glaubenssatz, sich alles hart erarbeiten zu müssen und dass sie es andernfalls nicht wert sind. So ein Glaubenssatz vergällt die ganze Erfahrung. Manchmal hat man halt einfach Glück und gewinnt den Jackpot obwohl man gar kein Los gekauft hat (Gedankenspiel – was wäre hier das Los?).

Das ist die Ambivalenz des Universums. Das Leben ist nicht fair. Manchmal passiert etwas Gutes ohne Grund. Und wenn das so ist – entspannt freuen, bedanken und weiter im Programm!

Schlussgedanken

Dieser Artikel ist auf den ersten Blick eher Gedankenanstoß als Coachinginput. Andererseits hat hochqualitatives Coaching immer sehr viel mit Gedankensprüngen zu tun. Wo sind Dir in Deinem Leben Kollateralgewinne begegnet oder wo waren andere Menschen durch Dich davon betroffen? Und wie ertappst Du Dich beim Versuch, beliebige Kollateralgewinne (vergeblich) immer wieder einfahren zu wollen?

Bis zum nächsten Mal

Dein Lion

2 Antworten zu “Über den gekonnten Umgang mit einem Kollateralgewinn”

  1. Hallo Lion! Diese Gedanken dazu gefallen mir gut. Wobei der Ausdruck „Kollateral“ im österreichischen Sprachgebrauch etwas technisch-wirtschaftlich klingt. Es ist mir mir aber auch kein anderer spontan eingefallen. Ich habe mir die Frage gestellt, ob damit auch gemeint ist, wenn ich bewusst eine andere oder einen anderen unterstütze und daraus positive Effekte entstehen. Wobei ich dabei die Erfahrung gemacht habe, dass ich selbst dabei meist auf der Strecke bleibe … Passiert leider oft, wenn ich nicht so sehr auf meinen eigenen Vorteil bedacht bin (unbewusst). Mein Resumee dazu: „Ein gewisser gesunder Egoismus ist nicht schlecht!“ Nach meiner Erfahrung gibt es leider zu viele selbstsüchtige Menschen. Die Balance darin zu finden, damit umzugehen, wieviel unterstütze ich jetzt andere bzw. wieviel tue ich für mich selbst, ist für mich eine lebenslange Herausforderung. Insgesamt glaube ich auch nicht, dass der Anteil der zufälligen Kollaterialschäden so groß ist. Danke für den Denkansstoß! LG ReGina

    1. ReGina herzlichen Dank, dass Du Deine Gedanken teilst. Sicherlich können Kollateralgewinne auch aus positiven Absichten entstehen. Stelle mir das vor wie eine Art ‚Streifschuß‘ aus ein Pistole, der aber keine Wunde sondern ein gutes Gefühl verursacht. Meintest Du das in diese Richtung?
      Und ich stimme Dir zu: Ein gesunder Egoismus ist zu befürworten. Sobald Du Deine eigenen Bedürfnisse erfüllt hast, fällt es Dir auch umso leichter, Überschuss zu erzeugen und dadurch altruistisch Wirkung zu entfalten.

      Danke für diesen kleinen Dialog!

      Lieber Gruß
      Lion

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