Probleme

Wer will schon Probleme? Nietzsche wollte. Man fragte ihn einst, was ihm schlimmstenfalls zustoßen könne. Seine Antwort: ‚Keine Probleme mehr haben.‘

Ein weiterer großer Philosoph sprach:

Das Problem ist nicht das Problem. Das Problem ist Deine Einstellung zum Problem.

(Jack Sparrow)

Aber was sind Probleme überhaupt? Was macht ein Problem zu einem Problem?

Die Psychologie definiert ein Problem ganz schlicht als Abweichung des Ist-Zustandes vom Soll-Zustand. Wir machten uns eine Vorstellung davon, wie die Dinge sein sollten. Doch jetzt sind die Dinge anders. Da haben wir den Salat mit dem Namen Problem.

NLP und andere Coaching-Werkzeuge haben ein spannendes Perspektivenspiel parat. Frage Dich: Welche Vorteile bringt Dir Dein Problem? Auf den ersten Blick nichts zu sehen? Lass uns die Angelegenheit kurz etwas genauer betrachten.

Warum es sich lohnt, Probleme zu haben

Selbsterkenntnis

Deine Probleme zeigen Dir, wer Du bist. Du wolltest etwas und hast es nicht bekommen? Was sagt es über Dich, dass Du das wolltest? Wer wärst Du, wenn Du das nicht wollen würdest? Was könntest Du stattdessen wollen und wer wärst Du dann?

Was musst Du glauben, um Dein Problem aufrecht zu erhalten? Was darfst Du nicht aufhören zu glauben, weil sonst das Problem verschwände?

Schau genau und horche in Dich: Wie hält Dir Dein Problem den Spiegel vor?

Wachstum

Du kannst ein Problem nicht auf derselben Ebene lösen, auf der Du es geschaffen hast. Somit zwingt es dazu, Dich auf neue Ebenen empor zu schwingen. Ohne das Problem entfiele dieses Erfordernis. Du bliebest auf der tieferen Ebene. Probleme bringen Dich in Bewegung, setzen Energien frei. Probleme bringen Dich dazu, über sie hinauszuwachsen. Und wenn Du über Probleme einfach hinauswächst, brauchst Du sie häufig gar nicht mehr ‚lösen‘.

Facetten

Weil Du dank Deines Problems über Dich hinauswachsen wirst, triffst Du auf neue Lebensinhalte. Bislang unbekannte Facetten zeigen sich. Deine Lebenswirklichkeit wird ausdifferenziert. Auf dem Pfad der Problemlösung entstehen neue Wege. Begegne Deinem Problem mit Neugierde: Was liegt auf der anderen Seite dieses Problems? Welches neue Problem präsentiert sich in der Lösung des aktuellen Problems? Welches Problem möchtest Du künftig haben?


Wie gehst Du mit Problemen um? Was war Dein wichtigstes Problem? Was hat es in Dein Leben gebracht und was hast Du daraus über Dich gelernt? Erzähle mir gerne davon in einem Kommentar unter diesem Beitrag oder per Mail an kontakt@lionlogert.com

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Bis zum nächsten Mal

Dein Lion

6 Gedanken zu „Probleme

  1. Ich mag den destruktiven Beigeschmack des Begriffs „Problem“ nicht. Höre ich dieses Wort, gerate ich fast unweigerlich in Alarmbereitschaft, wo er doch eigentlich nur suggerieren sollte, dass eine Lösungsfindung ansteht. Statt also mein Kreativlabor im Hirn anzuregen, werden alle Stationen evakuiert und dichtgemacht. Mir scheint, das Wort allein wäre eine Art Fluch; eine Beschwörungsformel für die Heerscharen an Blockaden, die in unserem Inneren hausen und nur auf solche Gelegenheiten warten. (An dieser Stelle ein DANKE für die Empfehlung von Pressfield, lieber Lion – „The War of Art“ ist sensationell!)

    In den letzten 10 Jahren habe ich für mich gelernt, dass Herausforderungen, die man im Volksmund gern als „Probleme“ artikuliert, mehr oder minder schwere Prüfungen sind, die einen formen und immer näher an das ideale Selbst führen, das man zu sein bestimmt ist. Oft – so war es zumindest bei mir – sind Probleme nur die Produkte eigener, meist aber fremder Erwartungshaltungen. Etwas auf eine gewisse Art und Weise tun, darstellen oder leisten zu müssen, führt zu Problemen. Jemand sein zu müssen, der man nicht ist, führt zu Problemen. Rücksichtnahme führt zu Problemen. Letztlich sind sie aber oft die Manifestation von Unwissen und der Angst, um Rat oder Hilfe zu bitten.

    Fasziniert bin ich von der „Relativität von Problemen“: egal, ob einem der Kollege den letzten Schluck Milch für den Kaffee weg getrunken hat oder ein 100 Euro-Schein verloren gegangen ist – im Moment des Erlebens ist jedes Problem gleich groß, nämlich riesig. Sie unterscheiden sich höchstens in ihrer Hartnäckigkeit, also wie lang wir an ihnen zu kauen haben. Oder nicht?

    In diesem Sinne möchte ich einen Gedankengang anregen, denn mir scheint, unabhängig davon wie groß ein Problem objektiv betrachtet ist, es steht immer in einem relativen Verhältnis zu … MIR. Je mehr mich ein Problem (be)trifft, desto überwältigender wirkt es. Hingegen kann dasselbe Thema aus dem Blickwinkel eines weitestgehend Unbeteiligten fast schon lächerlich banal erscheinen. Möglicherweise hat er sogar eine Lösung parat, die ihm glasklar auf der Hand liegt, man selbst aber gar nicht wahrgenommen hat. Der Fremde sieht den Ausweg, weil es nicht sein Problem ist; weil nicht ER blockiert wird. Seine unbefangene Draufsicht ist der Schlüssel. Den Weg zur Tür muss man dann aber selbst gehen und das wird oft zum … „Problem“ 😀

    Vielleicht ist es wie ein Schachspiel. Die Probleme des Lebens sind die gegnerischen Figuren, die – der „Relativität der Probleme“ nach – unterschiedlich bedrohlich sind. Der kleine Bauer mag keine Gefahr darstellen, aber je näher er rückt, je mehr es werden, desto unangenehmer (und auswegloser!) kann es werden. Man darf sich gar nicht ausmalen, welche Macht das kleinste Problem am Spielfeld hätte, wenn er deinem König gegenüber stünde …

    Ich glaube aber gehört zu haben, man könnte Schach lernen und letztlich sogar meistern. Es hilft räumlich zu denken, oft zu spielen und Aktion-Reaktion zu analysieren. Es soll auch zuträglich sein, wenn man sich „Problemen“ aus mehreren Blickwinkeln stellt, objektiv und ohne Stolz (!) nach Lösungen sucht, die diese Hindernisse endgültig auflösen, statt sie nur aus dem Weg zu räumen.

    Zu guter Letzt noch eine Anmerkung von mir: In deiner Fragestellung schreibst du „wichtigstes Problem“ und das schmerzt mir irgendwie. In meinen Augen schenkt dieser spezielle Superlativ dem Ausdruck eine Bedeutung, der ihm gar nicht zusteht. Probleme verdienen keine Adjektive, denn ihre bloße Existenz ist ein unglückliches Los 😉

    Ich danke dir ganz herzlich für diesen Artikel!

    1. Mich fasziniert, wie heftig Du auf das Wort ‚Problem‘ reagierst. Dergleichen kenne ich von mir selbst sehr gut. Auf Anhieb fällt mir dazu eine Technik ein: Spiele mit dem Wort, wechsle die Perspektive, gestalte es neu. Meine erste Assoziation – es gibt ein Pro-blem und es gibt ein Amateur-blem. Wie ist aus dem Amateur-blem ein Pro-blem geworden? Dazu wirst Du aber Deine eigenen Ideen haben, probier’s aus, fordere die Leistung von Deinem Kreativlabor ein anstatt auf sie zu hoffen. Du kannst die Beziehung zum Widerstand gestalten. 😉

      Mir ist natürlich bekannt, dass man ‚Probleme‘ heute als ‚Herausforderungen‘ bezeichnet. Häufig ist das nicht verkehrt und schaltet Ressourcen frei. Beklemmend finde ich daran die in manchen Kreisen dogmatische Herangehensweise. ‚Problem‘ wird zum Unwort. So landen wir vielleicht eines Tages bei Orwells ‚doppelplusgut‘? ‚Problem‘ ist ein normales deutsches Wort. Soweit so gut. Ich für meinen Teil muss noch dazu sagen, dass ein ‚Problem‘ mir in einigen Situationen sympathischer ist als eine ‚Herausforderung‘. Die ‚Herausforderung‘ treibt mich an, etwas zu tun, das weiterbringen könnte. Könnte. Die ‚Herausforderung‘ lässt mir wenig Raum für Überlegungen. Sie *fordert* mich zu sofortiger Handlung. Die Handlung möge nicht an des Gedankens Blässe kränkeln. Ein ‚Problem‘ hingegen steht zunächst einmal im Raum. Sicherlich unschön, aber statisch, offen für Neubetrachtungen und perspektivische Spielereien. So kann es mich auf Ideen bringen, zu deren Umsetzung ich mich anschließend selbst herausfordere. Soweit meine Assoziationen zu diesem Thema.

      Jedenfalls fordert Dich ein Problem heraus zu Wachstum. So haben wir sie hier beisammen, das Problem und die Herausforderung. Wachstum: in Ansichten und in Handlungen. Die einander stets gegenseitig beeinflussen. Du lernst über die Realität. Passt Dein subjektives Konstrukt den Gegebenheiten an. Erkennst neue Möglichkeiten und kreierst neue Taktiken. Wenn einmal der Bauer vor Deinem König steht, lernst Du, mit Stress umzugehen. Das Adrenalin wird es Dir anfangs schwer machen, klar zu denken. Wenn häufig genug ein Bauer vor Deinem König gestanden hat, bleibt Dein Verstand scharf. Irgendwie hast Du die Situation ja schonmal überstanden, verfügst also über die entsprechenden Ressourcen. Denn schließlich bist Du wieder hier, wenn auch blöderweise schon wieder mit dem König vor dem Bauern. Vielleicht nimmst Du dieses Mal die ganze Lektion mit und vermeidest dergleichen künftig.

      Die Aspekte, die unter der Relativität der Probleme beschreibst, finden sich in meiner Welt in der Einladung eines ‚Problems‘ zur Selbsterkenntnis. Glaube ich, der Kollege mit der Milch will mich ärgern? Ist mein Glück des Moments davon abhängig, meinen Kaffee nicht schwarz trinken zu müssen? Lautet die Antwort jeweils auf ‚ja’, liegt mein tatsächliches ‚Problem’ vielleicht woanders. Und wie wichtig sind 100 € für mich? Wie lange möchte ich dem Schein nachtrauern? Wie schnell bin ich der Lage, einfach neuen Wohlstand zu generieren?
      Denn selbstverständlich ist es DEIN ‚Problem‘, weil Du es ja aus Dir selbst heraus erschaffst durch Deine Einstellung (Jack Sparrow!). Dein Problem ist Dein Interessenkonflikt in Deinem Realitätskonstrukt. Und darin kannst Du so festgefahren sein, dass Du Auswege nicht mehr siehst. Deswegen gibt es externe Coaches und Berater, oder auch einfach Freunde und Bekannte, die Dir einen frischen Blick schenken. Dessen implizite Aufforderungen kannst Du dann Schritt für Schritt umsetzen 🙂

      Was Deine schließende Anmerkung betrifft, scheint mir das vor allem in Deiner Verwicklung mit dem Wörtchen des Artikels seinen Grund zu finden. Oder liege ich falsch? Wäre es für Dich weniger schmerzlich, vielleicht sogar aktivierend, wenn dort ‚Herausforderung‘ stünde? Da bin ich jetzt sehr neugierig 🙂

      Eine schließende Frage hier noch – was meinst Du damit, wenn Du schreibst ‚ohne Stolz (!) nach Lösungen suchen‘?

      Ein herrlich erfrischender Gedankenaustausch!

      Wünsche ein schönes Wochenende

      1. Oh, wie ich dir für deine herrlichen „Insights“ danke!

        Ich denke, meine Beziehung zum Wort „Problem“ beruht auf achtsamer Observation – höre ich Dinge wie „Wir haben ein Problem!“ oder „Was hast du denn für ein Problem?“, bekomme ich sofort Beklemmungen, als hätte man mir Fußfesseln umgelegt.

        Zu meiner Anmerkung: Ja, natürlich würde mir „Herausforderung“ dort besser gefallen. Ich bin auch niemand, der – einmal herausgefordert – sofort und ohne reifliche Überlegungen ans Werk geht, im worst case auch noch völlig übereilt reagiert. Ich betrachte die Gleichung, winde sie und mich, achte auf die Inputs meiner Denkwerkstatt, …
        Am Ende des Tages, und das ist es, was mir wichtig ist zu transportieren, sollte weder das „Problem“ noch die „Herausforderung“ im Fokus stehen, sondern die Auflösung derselbigen. Gäbe es nämlich keinen Wunsch-/Zielzustand, hätten wir auch keine Wege zu finden, die uns schlussendlich dorthin führen: Ich möchte zu Z, dazwischen liegen X und Y; möchte ich nicht zu Z, sind mir X und Y relativ egal bzw. existieren sie dann überhaupt? Es ist ein wenig wie Schrödingers Katze …

        Oh, der Stolz … Stolz ist der blinde Fleck im „problemlösenden Auge“. Er umkreist uns wie ein Mond, schiebt sich mit Vorliebe vor die Sonne (die „beste“ Lösung) und verwährt uns eine vollständige und klare Sicht auf den Ist-Zustand. Stolz blendet uns, trübt unser Urteilsvermögen und sorgt dafür, dass wir gewisse Möglichkeiten voreilig ausschließen oder – noch schlimmer – gar nicht erst wahrnehmen. Wie viele Konflikte sind eskaliert, weil sich keiner der Beteiligten „herablassen“ wollte, einen Konsens zu finden …

        Natürlich ist es letztlich egal, ob wir die Schritte zu unseren individuellen Zielen „Problem“, „Herausforderung“ oder „Horst“ nennen – wichtiger ist es, mit einer gewissen Erhabenheit an die Sache heranzugehen und sich nicht von Hindernissen abschrecken zu lassen. Wie unsere Diskussion aber verdeutlicht, gibt es viele Ansätze dazu und allesamt sind doch sehr subjektiv und „eigen“. Leider gibt es dafür kein Rezept, das universell anwendbar ist. Man wird nicht drumrum kommen, in sich hinein zu hören und seine eigenen Antworten zu finden.

        1. Sehr gerne geschehen, die ‚Inputs‘! Die Freude ist ganz meinerseits.

          Der meines Erachtens wichtigste Punkt, den Du ebenfalls besonders betonst, ist die Fokussierung auf den Zielzustand.
          Where your focus goes, energy flows. Wenn Du mit Deinem Wagen ins Schleudern gerätst, schaust Du Dich instinktiv
          nach denjenigen Objekten um, die Du NICHT treffen möchtest. Und da haben wir ein Ur-‚Problem‘, das massig ‚Probleme‘
          erzeugt. Üben, den Blick, das Bewusstsein, auf die freie Strecke, auf den Zielbereich zu lenken. Die ausführenden
          Instanzen werden brav folgen. Und die Kreativwerkstatt freut sich diebisch über die ‚Herausforderung‘. Und auf einmal
          werden X und Y tatsächlich nebensächlich. Denn ich will nach Z. Ob ich die anderen beiden passiere oder nicht, das ist mir gleich.

          Immer noch schwer tue ich mich damit, dieses Hindernis namens Stolz nachzuvollziehen. Mir fällt ein Satz dazu ein, der vielleicht passt:
          Manchmal musst Du gehen lassen, was Du schon erreicht und lieb gewonnen hattest, um später dasjenige zu bekommen, was Du langfristig
          anstrebst. Meinst Du etwas in der Richtung?

          Deine Schlussgedanken sind sehr sympathisch. Das Problem trägt die Lösung in sich.
          Dazu ein poetischer Abschluss des Sonntags mit Worten von Rainer Maria Rilke:

          […]

          Man muss Geduld haben!

          Mit dem Ungelösten im Herzen,
          und versuchen, die Fragen selber lieb zu haben,
          wie verschlossene Stuben,
          und wie Bücher, die in einer sehr fremden Sprache
          geschrieben sind.

          Es handelt sich darum, alles zu leben.
          Wenn man die Fragen lebt, lebt man vielleicht allmählich,
          ohne es zu merken,
          eines fremden Tages
          in die Antwort hinein.

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