Optimales Lernen

Leben heißt Lernen. Der Mensch macht Sachen und dabei macht er notwendig Fehler. Im besten Falle lernt er aus dem Fehler und macht ihn nie wieder. Was genau ist Lernen? In der psychologischen Forschung lautet die Definition: Eine auf Erfahrung basierte, dauerhafte aber modifizierbare Anpassung psychischer Strukturen.

Obgleich wir theoretisch immer weiter lernen, hören leider viele Menschen nach Abschluss ihrer formellen Ausbildung damit auf. Sie verlassen die Schule oder die Universität und versacken dann, werden zu Konsumenten einfacher Unterhaltung. Die geistige Entwicklung stoppt.

Weil Du diesen Blog liest, gehe ich davon aus, dass Du zu den lebenslangen Lernern gehörst. Gratuliere Dir dazu! Jetzt stelle ich Dir einige Methoden vor, durch die Du künftig noch effektiver und erfolgreicher lernen kannst.

Fünf Komponenten optimalen Lernens.

1. Aktivierung

Wie im Artikel Mentalkokain erwähnt, erreichst Du den optimalen Lerneffekt bei einem mittleren Aktivierungsniveau (siehe dazu auch Yerkes-Dodson-Gesetz). Was soll das bedeuten? Aktivierung meint in diesem Zusammenhang, wie aufgeregt/angeregt Du bist. Ist dieses Niveau zu niedrig, bist Du gelangweilt. Ist es zu hoch, bist Du nervös. Im mittleren Bereich befindet sich der optimale Zustand, auch bekannt als ‚Flow‘.

Bleibt soweit die Frage – wie gelangt man auf ein mittleres Aktivierungsniveau? Das geht relativ einfach: Sorge dafür, dass Dich Deine Lerninhalte einigermaßen interessieren. Je nach dem, womit Du Dich beschäftigst, wird es immer Aspekte geben, die Du weniger spannend findest. Im Großen und Ganzen aber solltest Du zumindest einen Hauch von Begeisterung empfinden können für das, was Du da tust.

Weiterhin setze Dir Ziele und Fristen. Baue aktiv Spannung auf. Verspreche Dir selbst eine Belohnung dafür, wenn Du Inhalte X bis zum Zeitpunkt Y schaffst.

Schließlich mache Dir Deine Beweggründe bewusst. Warum willst Du Inhalt X lernen? Was wird es Dir bringen, das zu können? Welche Optionen gewinnst Du dadurch und welche neuen Erfahrungen kannst Du machen? Kenne Dein Warum und mache es Dir regelmäßig bewusst.

2. Distinktheit

Ein umständliches Wort für eine ziemlich einfache Sache: Je eindrücklicher und einzigartiger Deine Lerninhalte für Dich sind, desto leichter kannst Du sie Dir merken. Nutze Bilder und Geräusche, involviere so viele Sinne wie möglich. Mache das Lernen zu einer ganzheitlichen Erfahrung. Streue Humor ein. Dadurch macht es mehr Spaß und es steigert den Lerneffekt noch weiter. Ein kleines Beispiel dazu: Stell Dir vor, Du lernst spanische Vokabeln und kannst sehr gut Englisch. Auf Spanisch heißt die Kuh ‚vaca‘. Du weißt, dass auf Englisch der Staubsauger ‚vacuum cleaner’ heißt und nimmst Dir deswegen als Verknüpfung folgendes Bild: Eine Kuh, die mit dem Staubsauger Dein Wohnzimmer reinigt. Jetzt wirst Du so schnell nicht mehr vergessen, wie die Kuh auf Spanisch heißt.

Übrigens: Diese Technik funktioniert am allerbesten, wenn Du Dir eigene Bilder ausdenkst. Lasse Deiner Fantasie freien Lauf. Habe Deinen Spaß damit. Stelle Verknüpfungen her. Auf die Art wird Dich Dein Gehirn mit Glückshormonen belohnen, weil Du genau richtig mit ihm umgehst. Denn Du betreibst nun gehirn-gerechtes Lernen (Noch viel mehr dazu findest Du bei Vera Birkenbihl).

3. Struktur

Die Inhalte müssen so aufbereitet sein, dass alles seinen Platz hat und die Reihenfolge Sinn ergibt. A führt zu B führt zu C. So können optimal Verknüpfungen gebildet werden. Andersherum bildlich ausgedrückt: Wenn all Dein Kram auf einem unordentlichen Haufen liegt, findest Du so schnell gar nichts. Ein Juraprofessor von mir verglich dies mit einem Apothekerschränkchen: In zahllosen Schublädchen ist alles geordnet und verstaut und präzise beschriftet. Auf diese Weise ist ihm der Zugang zu jedem Mittelchen jederzeit ohne Schwierigkeiten gewährleistet.

Wie gelangt man zu dieser Struktur?

Erstens wähle zu konsumierende Lerninhalte in einer Form, die für Dich passt. Das kann bedeuten, dass Du eine Weile herum probieren musst, bis Du das Optimum gefunden hast. Teste verschiedene Lehrer und Lernmaterialien. Wenn Du bemerkst, dass die Inhalte für Dich Sinn ergeben und dass Du für Dich daraus das Maximum herausziehen kannst, hast Du das Richtige entdeckt. Du wirst merken, dass es ‚klickt’ oder ‚funkt‘, dass es Dir irgendwie genau zusagt.

Zweitens kreiere Darstellungen der Inhalte nach Deiner eigenen optimalen Struktur. Gestalte Übersichten, eigene Skripten, mache das Material zu Deinem Baby. Hier spielt die Distinktheit aus Punkt 2 mit hinein. Forme eigenes, völlig neues Lernmaterial nach Deinem persönlichen Geschmack. Durch den Akt des Erschaffens dieser Materialien wirst Du vieles bereits so stark verinnerlichen, dass es fortan verfügbar ist. Zudem erreichst Du mit Deinen selbst gemachten Materialien künftig sehr steile Lernkurven.

4. Mnemotechniken

Vielleicht hast Du schon einmal davon gehört. Die sogenannte Loci-Methode dürfte die bekannteste sein. Sie ist am besten geeignet, wenn Du Dir eine Abfolge von Gegenständen, Ereignissen oder dergleichen einprägen möchtest. Du wählst einen Ort, der Dir gut bekannt ist. Das kann eine Wegstrecke, ein Platz oder ein Raum sein. Dort belegst Du in Deiner Vorstellung prominente Punkte mit Assoziationen dessen, was Du Dir einprägen möchtest. Beispiel: Du möchtest Dir eine Einkaufsliste einprägen und dazu Dein Wohnzimmer verwenden. Jetzt kannst Du auf der Couch eine tanzende Tomate platzieren. Der Couchtisch besteht aus Küchenrolle. Der Fernseher ist gekrönt von einer gigantischen Nudel. Im Schrank daneben jagen sich einige Wasserflaschen.

Lasse Deiner Fantasie freien Lauf. Du kannst auch diese Methode hervorragend verfeinern mit einer Dosis Distinktheit aus Punkt 2. Je ausgefallener Deine Bilder und Filme sind, desto leichter gelingt es Dir, die Inhalte zu erinnern.

5. Wiederholung

Dieser Punkt ist wahrscheinlich jedem bekannt und bei den meisten nicht unbedingt sonderlich beliebt. In einer Aufzählung von Lernmethoden darf er dennoch nicht fehlen. Repetitio mater studiorum est. Übung macht den Meister. Einst hörte ich die Geschichte von russischen Profiturnern, die vor und nach jeder Trainingseinheit mehrmals sämtliche Grundübungen durchexerzieren. Wem die ständige Wiederholung zu langweilig und eintönig ist, der mag folgendes probieren: Erkenne in jeder noch so kleinen und scheinbar unwichtigen Übung deren Zugehörigkeit zum großen Ganzen. Jedes Einzelteil hat seinen Zweck und ist für eine bestimmte Funktion, für einen bestimmten Aspekt des Gesamtsystems unabdingbar. Besinne Dich darauf, wenn Du den endlosen Wiederholungsschleifen nachgehst. Erkenne die Verbindungen und Zusammenhänge. Erkenne, warum dieses kleine Einzelteil wichtig ist für das Funktionieren des Gesamtsystems und wie es daher essentiell ist für Deinen Lernerfolg.


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