Mensch, ärgere Dich (nicht)!

Und wenn, dann ärger’ Dich richtig.

Ärger. Aggressionen. Wut. Zorn. Für die meisten sind das alte Vertraute. Und das, obwohl diese Gefühle irrational sind. Wir unterliegen der Illusion, dass wir mit Ärger kontrollieren könnten. Menschen, Momente und Wahrscheinlichkeiten möchten wir mit Wut manipulieren. Und manche Menschen berauschen sich an ihrem eigenen Ärger. Auf einem Seminar von Anthony Robbins gestand eine Teilnehmerin, Zorn fühle sich für sie an wie Kerosin.

Vereinzelt funktioniert die Taktik: Mit dem Energieschub können wir ein Marmeladenglas öffnen. Oder das fest verklebte Paket von Oma. Wer seine Wut so gut dosiert, der profitiert. Manches gelingt wirklich besser, wenn man kurz flucht. Im Übrigen ist Wut selten hilfreich. In vielen Situationen sogar schädlich. Wenn wir eine Person mit unserer Wut einschüchtern, ringen wir ihr zwar kurzfristig Gehorsam ab, schaden aber der Beziehung. Auf lange Sicht riskieren wir Isolation und vergällen uns die Stimmung.

Besonders kurios: Die Ärger-Hormone passieren den Körper in nur sieben Sekunden. Wer sich danach weiter ärgert, der tut das mit (unbewusster) Absicht.

Warum verbeißen wir uns so sehr in den Zorn?

Dafür gibt es im Wesentlichen zwei Gründe.

Der erste lautet: Weil jemand einen Vorteil von der Wut hat.

Medien profitieren vom Ärger der Konsumenten. Wie? Ärger ist eine motivierende Emotion. Ärger aktiviert uns: Wir echauffieren uns gegenüber Mitmenschen, suchen Gleichgesinnte; wir teilen Inhalte in sozialen Medien; wir klicken für weitere Informationen. Es gibt da draußen eine millionenschwere Industrie, deren einziges Ziel es ist, uns abzulenken. Und das funktioniert wie am besten? Richtig – indem sie uns aufregen. Achte bei Gelegenheit darauf. Wenn Du über einen Artikel oder ein Video in Rage gerätst, gehst Du vielleicht genau diesem Mechanismus auf den Leim. (Falls Du Dich jetzt gerade darüber erzürnst – nein, ich versuche nicht, Dich zu ärgern 😉 )

Der zweite Grund lautet: Gewohnheit.

Jeder von uns bedient sich einer Vielzahl mentaler Strategien und Gewohnheiten. Sie helfen uns, im Alltag zu navigieren. Wir haben bestimmte Muster, mit denen wir auf wiederkehrende Situationen reagieren. Einerseits erleichtert uns das vieles. Gute Gewohnheiten vereinfachen das Leben (in diesem Artikel erfährst Du, wie Du sie etablierst). Denn andernfalls müssten wir ständig neu überlegen, wie wir am besten zum Supermarkt gelangen, wie wir einen Anruf tätigen oder wie wir uns die Schuhe zu binden. Die Gewohnheit bedeutet insoweit eine massive Energieeinsparung.

Andererseits gibt es schädliche Gewohnheiten. Zum Beispiel zornig zu werden, weil man meint, eine Situation dadurch kontrollieren zu können. Eine Gewohnheit kann sich festfahren. Bis Du sie nicht mehr bemerkst und sie auch nicht einfach wieder abschütteln kannst. Die Wut ist Dir vertraut und Du fühlst Dich vielleicht sogar ganz wohl mit ihr. Du bist weitläufig bekannt als Choleriker. Man will sich nicht mit Dir anlegen. Das hat Vorteile: Man lässt Dich in Ruhe und Du kannst Dich in schwierigen Situationen durchsetzen. Wenn das Deinen Geschmack trifft – nur zu! Zumal Du aber auf dieser Seite bist, schätze ich Dich anders ein und schlage Dir vor:

Den Zorn an den Hörnern packen.

Wenn es das nächste Mal in Dir beginnt zu brodeln, trete mental einen Schritt zurück. Erhebe Dich über die Emotion. Frage Dich: Bringt mich Zorn in dieser Situation weiter? Atme tief durch. Warte einige Momente. Nach sieben Sekunden haben die Zorn-Hormone den Körper nämlich bereits passiert. Du wirst Dich schnell entspannter fühlen. Und Dir werden konstruktivere Lösungen einfallen.

Ein einfacher physiologischer Trick lautet: grinse. Das klingt verrückt. Funktioniert aber ganz hervorragend. Wenn Du ein breites Grinsen aufsetzt – und das darf sich unecht anfühlen – dann wird Dein Körper nach 60 Sekunden Glückshormone ausschütten. Physiologie und Psychologie befinden sich in stetiger Wechselwirkung. Daher kannst Du mit körperlichen Veränderungen Deine Stimmung beeinflussen. Probiere es einfach aus.

Schließlich: Reagiere Dich ab. Lenke die Energie um. Kanalisiere sie. (Wie das mit sexueller Energie funktioniert, kannst Du hier nachlesen: Sex Transmutation)

Mache etwas Sinnvolles. Es braucht ein Maß an Selbstironie, zornig den Müll herunter zu bringen. Aber es geht. Hacke Holz. Spiele Schlagzeug. Drangsaliere die Geräte im Sportstudio. Schlage einen Nagel in die Wand (aber dann pass auf Deine Finger auf). Lass es Dir gut gehen mit Deinem Zorn. Ein Leben ganz ohne ihn ist auch langweilig. Zorn ist wie ein scharfes Gewürz: Streue ihn maßvoll, verwende ihn nicht als Hauptgericht. Wenn Du Dich aufregst, dann habe Spaß dran.


Bei Fragen oder Anregungen oder bei Interesse an einem Privat-Coaching melde Dich gerne per Kommentar oder per Email an kontakt@lionlogert.com. Ich freue mich über Deine Nachricht und melde mich bald persönlich bei Dir.

Bis zum nächsten Mal

Dein Lion

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