Warnung: Ohne Selbst-Vertrauen solltest Du diesen Text nicht lesen.

Wie verwirrend Nicht-Verführung sein kann.

Eine persönliche Geschichte

Jüngst wurde mir das Vergnügen zuteil, mit einer ebenso interessanten wie sympathischen Dame ein ebenso intensives wie (leider auch) kurzes Gespräch führen zu dürfen.

Wir verstanden uns auf Anhieb hervorragend. Small Talk nicht nötig. Direkt ans Eingemachte. Persönliche Themen und Geschmäcker. Das alles ganz zwanglos. Erfrischend, unterhaltsam, inspirierend. Der awkward Moment kam, als wir beide dachten, dass der jeweils andere flirtet und das Gefühl hatten, dass wir das jetzt würden aufklären müssen. Ich möchte hier der Fairness halber gestehen, dass es mich durchaus erfreut hätte, ihr zu gefallen. Diese Freude wäre allerdings tatsächlich sekundär gewesen. Wir stellten indes fest, dass wir beide glücklich vergeben sind. Ich war erleichtert und ich freute mich darauf, das Gespräch entspannt fortsetzen zu können.

Doch der nächste awkward Moment lauerte bereits. Sie signalisierte mir, dass sie mich noch nicht richtig einschätzen könne. Ohne Hintergedanken reagierte ich ambivalent, war sogar milde amüsiert – worauf wollte sie denn hinaus? Doch sie insistierte. Wie sich herausstellte, hatte sie zwischenzeitlich meine Website besucht und hegte nun Misstrauen gegen manipulativen Fähigkeiten, NLP und mögliche Fassaden. Auf meine Nachfrage, worauf genau ihre Bedenken sich denn richteten, verhielt sie sich ausweichend. Wir lavierten einige Momente umeinander herum. Mir tat es leid, die Konversation nicht in der bis dato erfrischenden und herzlichen Art weiterführen zu können und versuchte mich mit einigen Vorstößen, um Transparenz und Klarheit zu schaffen. Gleichwohl beharrte die Dame auf ihrem Misstrauen. Mir war bis dahin, als hegte sie doch ein weitergehendes Interesse, das sie sich aber selbst nicht eingestehen wollte. Nach einigem Hin und Her beendeten wir das Gespräch einvernehmlich. Ich deutete ein fundamentales Missverständnis an und bemerkte, dass mir das kategorische Misstrauen nun meinerseits unangenehm geworden war. Schade war es. Und es hinterließ einen faden Beigeschmack.

Lektionen

Im Nachhinein meine ich, eines unserer Missverständnisse erkannt zu haben. Ein ausgesprochen profanes aber eben fundamentales: Wir hatten beide einfach wirklich kein weitergehendes Interesse aneinander, glaubten uns das aber gegenseitig nicht so richtig. Und das führte zu allerlei Irritation.

Das war so das eine.

Das Gespräch ging mir einige Tag nach. Das muss ich zugeben. In diesem Nachgang sind Reflexionen entstanden, die in diesem Artikel Niederschlag gefunden haben. Impressionen und Erkenntnisse zu Manipulation und Kommunikation.

Wie folgt.


1. Wir sehen die Welt nicht so, wie sie ist. Wir sehen die Welt so, wie wir sind.

An sich nichts neues. Im geschilderten Gespräch sehr eindrücklich erlebt. Denn woher kam dieses Misstrauen? Ich kann es nicht sagen. Meine emotionale Reaktion war ein eigenes gesteigertes Misstrauen. Wenn eine Person mir so wenig vertrauen kann, wie könnte ich dann ihr trauen? Das, was wir ins uns tragen, projizieren wir in unsere Außenwelt und finden es dort immer wieder. Wir erkennen uns selbst in der Art, wie wir die Welt sehen. Und so können wir anhand dieser Erkenntnis unser Gegenüber und uns selbst besser einschätzen. Wie siehst Du die Welt? Was sagt Dir das über Dich? In Kommunikation lässt Dein Gegenüber Dich mehr oder weniger direkt wissen, wie sie/er die Welt sieht. Was verrät Dir das über Dein Gegenüber?

2. Welche Prozesse könnte die Manipulation bei Dir auslösen?

Wenn Du Angst vor Manipulation hast, dann hast Du – ob Du das jetzt glaubst oder nicht – in erster Linie mal Angst vor Dir selbst. Ich lernte die Dame aus eingangs geschildertem Gespräch nicht ausreichend weit kennen, als dass ich hätte sagen können, welche Prozesse bei ihr hätten ablaufen oder zumindest angestoßen werden können. Offenbar erkannte sie aber bei sich selbst bereits eine Neigung, eine Offenheit für ebensolche Prozesse. Und genau das machte ihr Angst.

Wer Angst vor Manipulation hat, vertraut sich selbst nicht so weit, sich unter Kontrolle zu haben und rechnet mit der eigenen Bereitschaft zu schädigenden Gedanken, Gefühlen und Handlungen.

Hier begeben wir uns erneut auf den Pfad der Selbsterkenntnis. Steigere Dein Selbst-Vertrauen. Wenn Du Dir selbst vertrauen kannst, reduziert das die Gefahr, die Manipulation für Dich haben kann. Wenn Du Angst vor Manipulation hast, frage Dich: Was könnte die Manipulation mit Dir machen? Was könnte konkret passieren, das Dir unangenehm wäre oder etwas wertvolles in Deinem Leben in Gefahr bringen würde? Welche Prozesse könnte die Manipulation bei Dir und in Dir anstoßen? Lerne Dein Angst so genau kennen wir irgendwie möglich. Beantworte Dir diese Fragen am besten schriftlich oder bespreche sie mit einer vertrauten Person. Das mag nicht schön sein. Du musst die Hosen vor Dir selbst herunterlassen. Du musst Dir eingestehen, dass Du vielleicht zu manchem bereit wärst, was Dir peinlich ist, wofür Du Dich schämst, was Du am liebsten vor Dir selbst und der Welt verbergen würdest. Sei schonungslos. Lerne Deine Dämonen kennen. Freunde Dich an mit Deiner dunklen Seite. Sigmund Freud wäre stolz auf Dich. Denn sobald Du diesen verdrängten Gedanken, Gefühle und Begierden offen begegnest, verlieren sie ihre Macht über Dich. Gefahr erkannt, Gefahr gebannt. Und wer weiß, vielleicht findest Du sogar Möglichkeiten, diese Fantasien auf eine gesunde Art und Weise auszuleben und dadurch insgesamt zu einer integrierte(re)n Persönlichkeit zu reifen.

3. Reflexionen über die Natur und Erscheinungsformen von Manipulation

Manipulation passiert ständig und überall. Das Prinzip der Interpunktion jeder Kommunikation besagt, dass jede Aktion eines Kommunikationspartners eine Reaktion des anderen Reaktionspartners hervorruft. Wir manipulieren uns also alle durchweg gegenseitig. Die Frage ist, wie bewusst das geschieht und mit welcher Intention.

Die Art, wie Manipulation in Coaching und Psychotherapie stattfindet, beruht auf Vertrauen und Einvernehmlichkeit. Die Beziehung zwischen den Parteien ist nicht symmetrisch sondern komplementär und formell. Der Klient oder Patient begibt sich in den vom Coach oder Therapeuten gesetzten Rahmen, um gezielt einen Prozess zu durchlaufen.

Ich habe in den letzten Jahren meinerseits tausende von Euro ausgegeben, um manipuliert zu werden. Ich habe teure Seminare und Einzelcoachings besucht und keinen einzigen Cent jemals bereut.

Kommunikation und somit auch Manipulation als Teilbereich der Kommunikation sind ein Tanz. Man muss bereit sein, sich führen zu lassen. Denn der Prozess gleicht bisweilen einer Verführung, die völlig ohne Körperlichkeit auskommen kann. Zugleich kommt man nur dann in den Genuss des kompletten Erfahrungsspektrums, wenn man seinerseits fähig und bereit ist, beide Enden des Kontinuums zu zu beherrschen: Erstens die Führung (und damit auch die Verantwortung) zu übernehmen und den Prozess ebenso bestimmt wie einfühlsam zu gestalten, zweitens sich hinzugeben und fallen zu lassen und unwillkürliche Zustände zu durchlaufen. Vertrauen, Empathie, Respekt, die Wahrnehmung von Grenzen und die Einvernehmlichkeit der gemeinsamen Grenzüberschreitung sind integrale Bestandteile.

Mehr zum Thema Manipulation findest Du hierhier und hier

Mehr zum Thema ‘Dunkle Seite‘ und verbotenen/verdrängten Bewusstseinsinhalten findest Du hier.


Traust Du Dir selbst? Wovor hast Du Angst? Welche Prozesse siehst Du im Gange, befürchtest Du ins Rollen zu kommen, sobald Du Manipulation zulässt? Was würde passieren, wenn Du Dich selbst perfekt manipulieren könntest? Wie würden sich Dein Leben, Deine Gedanken, Deine Gefühle und Dein Verhalten dadurch verändern?

Möchtest Du tiefer eindringen in Selbsterkenntnis und Manipulation? Klicke hier, um ein kostenloses Einzelcoaching bei mir zu buchen.

Fragen, Anregungen und Kritik aller Art gerne per Kommentar unter diesem Beitrag oder per Mail an kontakt@lionlogert.com.

Bis zum nächsten Mal

Dein Lion

1 Antwort zu “Warnung: Ohne Selbst-Vertrauen solltest Du diesen Text nicht lesen.”

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.