Darf ich vorstellen: Manipulation

Eine Hassliebe.

Psychologie, Coaching und Persönlichkeitsentwicklung. Wer sich mit ihnen beschäftigt, der stößt rasch auf die Techniken der Manipulation. Manipulation heißt in diesem Zusammenhang die Beeinflussung von menschlichem Erleben und Verhalten. Per Definition Ziele von Psychologie, Coaching und Persönlichkeitsentwicklung.

Manipulation. Das ist ein durch und durch negativ assoziierter Begriff. Ein Un-Wort. Begrifflich direkt bei der Gehirnwäsche angesiedelt, emotional irgendwo im Dunstkreis von Herpes – die Gefahr lauert überall dort, wo es interessant wird und man kann sich auch nicht so richtig dagegen wehren. Die meisten Menschen haben beim Wort Manipulation dubiose Show-Hypnotiseure und Scientology Funktionäre vor Augen. Man ist skeptisch. Das ist verständlich. Der Argwohn ist gesund. Aber ebenso schädlich. Deswegen lade ich den Leser hiermit ein zu einer kleinen Reise in die Welt der positiven Manipulation.

Lösen wir uns nur für einen kurzen Moment von den gewohnten Mustern und betrachten Manipulation so wertfrei wie jetzt gerade möglich. Das Wort Manipulation stammt aus dem Lateinischen und bedeutet wörtlich übersetzt nichts weiter als Hand anlegen. Übertragen heißt es, einen Prozess bewusst zu gestalten, um bestimmte Resultate zu erzielen. Zu diesem Zwecke eignet der „Manipulator“ sich Techniken an und praktiziert sie, um genau dies zu bewerkstelligen. Man bedenke: Niemand würde es einem Automechaniker ankreiden, dass dieser seine Werkzeuge und seine Fähigkeiten nutzt, um ein Fahrzeug zu reparieren. Niemand würde den Maler als unmoralisch bezeichnen, der aus einem Zusammenspiel von Farben und Formen ein Werk entstehen lässt, das den Betrachter betört und in Staunen versetzt ob der unbeschreiblichen Wirkung, die die Kunst auf ihn entfaltet. Dabei unterscheiden sich diese zwei Beispiele abstrakt betrachtet nicht von einem Akt der Manipulation.

Besonders interessant: Wir alle manipulieren. Ständig. Unbewusst erkennen wir, dass bestimmte Verhaltensweisen dazu geeignet sind, gewünschte Ergebnisse zu erzielen und handeln entsprechend. Eine Frau erzählt ihrem Partner von den Männern, die sie heute angeflirtet haben. Der Reiz des Raren. Ein Mann fragt eine attraktive Bekanntschaft, ob sie mit ihm lieber ins Restaurant oder in eine Bar gehen möchte. Den Abend ohne ihn gibt es nicht. Die Illusion von Optionen. Ein Chef überträgt einem Angestellten einen Knochenjob und erwähnt beiläufig, er sei genau der richtige Kandidat dafür. Der Druck der Erwartungshaltung.

Ist derjenige der Böse, dem die Wirksamkeit der Technik und das Unwissen der manipulierten Person bekannt sind? Nein, so einfach ist es nicht. Die obigen Beispiele können völlig einvernehmlich stattfinden: Dem Mann ist es angenehm, seine Partnerin als begehrenswert wahrzunehmen und sie bestärkt diese Wahrnehmung durch ihre Aussage. Und vielleicht mag er es, dass sie ihm das erzählt – es zeigt ihm, dass ihr daran gelegen ist, dass er davon erfährt. Sie möchte von ihm als begehrenswert erlebt werden, was für ihn wiederum ein Kompliment ist. Die Dame aus dem zweiten Beispiel will verführt werden und lässt sich gerne auf das Spiel des Herren ein, es reizt sie. Der Angestellte wünscht sich, gefordert zu werden und bekommt die Gelegenheit, seine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Unter dem Druck der Aufgabe kann er über sich hinauswachsen und mehr leisten als das, wozu er normalerweise bereit wäre.

Worauf kommt es also an?

Entscheidend sind die Absicht und die Art der Herangehensweise. Das Zauberwort lautet Einvernehmlichkeit. Ein pikanter Vergleich: Eine Vergewaltigung ist ein schreckliches Erlebnis; aber wer genießt es nicht, nach allen Regeln der Kunst verführt zu werden?

Die in Psychologie / Coaching / Persönlichkeitsentwicklung eingesetzten Techniken sind manipulativ und sie sollen es sein. Sie müssen es sein. Denn nur so können sie die Veränderungen auslösen, die das originäre Ziel des jeweiligen Prozesses sind. Man möge die diffus dunkle Materie der Manipulation in einem neuen Licht betrachten und erkennen, dass das Wissen um sie das eigene Leben bereichern kann. Sie trägt bei zu Selbsterkenntnis und Selbstverwirklichung und versetzt den Übenden an das Steuer seines Lebensbusses. Dort hat er die Wahl. Er kann die Richtung bestimmen und Gas geben, wie es ihm beliebt.


Fragen, Anregungen, Kritik oder Gegenmeinungen? Liebend gerne an kontakt@lionlogert.com. Ich freue mich über Deine Nachricht und werde Dir rasch persönlich antworten.

Bis zum nächsten Mal

Dein Lion


Möchtest Du Dich eingehender mit der Materie beschäftigen? In dieser zweiteiligen Artikelserie erfährst Du die Methoden, die später als ‚Chinesische Gehirnwäsche‘ bekannt wurden:

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