Effektives Lernen 2.0

Für mehr Erfolg in Studium und Beruf.

Als ich mit Anfang zwanzig mein Erststudium begann, wusste ich das ein oder andere über effektives Lernen. Immerhin hatte ich das Abitur bereits in der Tasche. Irgendetwas hatte ich da offensichtlich richtig gemacht. Doch das Studium war anders. Und es war heftig. Aus purer Notwendigkeit heraus lernte ich in der Folge eine ganze Menge über das effektive Lernen. Einiges davon findet sich in diesem Artikel zusammengetragen für jene, die anfangen zu studieren, die besser studieren wollen oder die einfach interessiert sind daran, Lernprozesse effektiver und angenehmer zu gestalten. Denn Leben ist Lernen.

Vorab: Wie die hiesigen Methoden zu nutzen sind.

Für die ganz Eifrigen sei erwähnt: Manche Methoden lassen sich direkt anwenden, zum Beispiel die Pomodoro Technik und das Setzen von Prioritäten. Anderes bedarf eingehender Beschäftigung, etwa die Frage nach den eigenen Beweggründen oder das Erkennen optimaler Lernzeiten. Der Leser möge sich ermutigt fühlen mit den Methoden zu experimentieren und den Weg zum effektiven Lernen als Entdeckungsreise zu erleben. Je nach aktueller Herausforderung und persönlicher Konstitution sind bestimmte Methoden besonders hilfreich. Es gibt nicht das eine optimale Lernen. Begreife die Anwendung der Methoden als Prozess, nicht als Aufgabenliste.

Genug der Vorrede – in medias res:

1. Kenne Deine persönlichen Höhepunkte

Dieser erste Schritt zur Besserung ist die Selbsterkenntnis. Erkenne, wann am Tag Dir Höchstleistungen am leichtesten gelingen. Und wann nicht. Um effektiv zu lernen, musst Du wissen, wann Du effektiv bist. Wie eingangs erwähnt ist das nicht in einem Aufwasch zu erledigen. Nehme Dir einige Tage dafür, vielleicht auch einige Wochen. Probiere Dich aus.

Vielleicht hast Du schon von ‚Eulen‘ und ‚Lerchen‘ als Schlaftypen gehört. Jeder Mensch hat seinen eigenen Rhythmus. Während sich diese Vogel-Unterteilung auf die bevorzugten Schlafzeiten bezieht, gibt es solche Rhythmen auch in Sachen optimaler Konzentration und Auffassungsgabe. Manche Menschen können morgens am besten, andere am Abend, noch andere irgendwann zwischendurch oder auch zur Nacht. Wie gesagt – Probiere Dich einfach aus. Du erkennst Dein persönliches Optimum daran, dass Dir die Aufnahme von Wissen leicht fällt, dass Du Dich ausdauernd konzentrieren kannst und in einen Flow State gelangst.

2. Habe klare Prioritäten

Auf dem Weg zu Deinen Zielen gibt es immer einige notwendige Zwischenziele. Und es gibt andere, weniger wichtige Unterpunkte. Wenn Du auf eine Reise gehen möchtest, besorgst Du zuerst die Flüge und die Unterkunft. Erst dann ist es sinnvoll, die Koffer zu packen und einen Mietwagen am Urlaubsort zu buchen. Ohne Transfer und Zimmer kannst Du mit dem Rest herzlich wenig anfangen.

In Lernprozessen lassen sich die obersten Prioritäten manchmal nicht ganz so präzise feststellen. Erstelle Dir eine Grobübersicht. Als Orientierung im Studium sind Prüfungsordnungen und voraussichtliche Klausurinhalte hilfreich. Finde heraus, was man von Dir wissen will, welche Inhalte und Fähigkeiten geprüft werden. Konzentriere Dich darauf, genau diese zu erwerben.

3. Setze Dir Ziele. Am besten Prozessziele.

Du wirst motivierter, wenn Du auf etwas konkretes hinarbeitest.

Deswegen: Setze Dir Ziele.

Überlege Dir dazu: Was möchtest Du erreichen mit Deinem Lernen? Welche Zwischenziele gibt es? Welche Module, Seminare, Klausuren und Tests musst Du absolvieren?

Profi-Tip: Orientiere Dich bei Deiner Zielsetzung an den Prioritäten aus Methode Nr. 2.

Nutze mehr Prozessziele und weniger Resultatziele. Der Unterschied zwischen den beiden? Ein Resultat-Ziel besteht aus einem bestimmten Ergebnis. Zum Beispiel 100 Punkte in einer Klausur. Oder eine Note in einer Hausarbeit. Das Problem daran? Du hast es nicht gänzlich unter Kontrolle. Denn Glück und Zufall und Laune des Korrektors sind unwägbare Einflussfaktoren.

Was sind demgegenüber Prozessziele? Einige Beispiele: Eine bestimmte Anzahl von Seiten aus einem Buch durchzuarbeiten, zusammen zu fassen und auf Karteikarten übertragen; ein kompliziertes Konzept in einfachen Worten erklären können; für einen Text oder eine Abschlussarbeit ein Kapitel oder einen Abschnitt verfassen. Prozessziele kannst Du kontrollieren. Du hast es in der Hand, sie zu erreichen. Du wirst immer motivierter, weil Dir die Zielerreichung gelingt. Du gerätst in eine Aufwärtsspirale.

4. Strukturiere Deinen Tag und Deine Woche

Dieser Tip funktioniert am besten, wenn Du Deine optimalen Lernzeiten kennst und Ziele anhand Deiner Prioritäten gesetzt hast.

Setze Deine Ziele in den Kalender. Prioritäten bekommen einen Platz in den Tagesphasen, die Du als optimale Lernzeiten herauskristallisiert hast. Pro Tag zwei, maximal drei Prioritäten.

Wichtig: Gestalte die Angelegenheit so, dass Du gewinnen kannst. Anfangs ist schwer abzuschätzen, wie lange Du für einzelne Prioritäten brauchen wirst. Mache Dich nicht verrückt, wenn mal etwas nicht funktioniert wie geplant. Bleibe einfach dran. Wie gesagt – effektives Lernen ist ein Prozess. Außerdem: Berechne etwa ein Drittel der verfügbaren Zeit als Puffer ein für unvorhergesehenes. Denn irgendetwas passiert immer. Und Du musst auch noch essen, den Haushalt besorgen und Menschen treffen.

5. Kenne die Lernspirale

Jeder erlebt bei Lernprojekten das Gefühl, auf der Stelle zu treten. Stagnation. Das gefürchtete Plateau. Stunde um Stunde mit den Inhalten verbracht ohne empfundenen Fortschritt. Dazu musst Du wissen: Lernprozesse laufen nicht linear ab. Die Lernkurve ist nicht streng monoton steigend. Während Du Dich mit bekannten Inhalten beschäftigst und Dir auffällt, dass Du etwas davon doch noch nicht ganz verstanden hast, stellst Du (unbewusst) Verknüpfungen mit anderen Themen her. Nach und nach wird Dir klar, wie alles zusammenhängt und sich gegenseitig beeinflusst. Auf den ersten Blick ist das nicht immer erkennbar. Es braucht Geduld.

Eine Metapher dazu ist die Lernspirale. Du schraubst Dich in kreisförmigen Bewegungen nach oben und hast immer wieder den Eindruck, das Dich umgebende (die liefergelegene Etage) bereits gut zu kennen, wunderst Dich, warum Du Dich immer noch oder schon wieder damit beschäftigst – tatsächlich schaust Du bereits von einer erhöhten Ebene herab, merkst das aber noch nicht.

6. Sei ein Profi. Betrachte das Lernen wie einen Job.

Wer Lernzeiten selbst einteilen kann – wie die meisten Lernenden an Universitäten -, empfindet dies bald als Gabe, bald als Fluch. Es ist nicht leicht, die Disziplin aufzubringen und täglich Einsatz zu zeigen. 90 Prozent des Erfolgs bestehen darin, einfach aufzutauchen. Wie ein Sportler Tag für Tag auf der Matte steht, seine Bahnen dreht, seine Übungen absolviert, ganz gleich ob ihm der Sinn danach steht, ob seine Katze Depressionen hat oder er sich irgendwie nicht so fühlt. So muss auch der Lerner seinen Tribut zollen für seinen Fortschritt. Steven Pressfield bezeichnet das in ‚The War of Art‘ als professionelle Herangehensweise im Gegensatz zum Amateur, der mal hier, mal da ein bisschen übt wenn ihm der Sinn danach steht ohne kontinuierlich Routine zu etablieren.

Im Zusammenspiel mit der Kenntnis der Lernspirale kann diese Methode das sein, was Dich in fortgeschrittenen Bereichen über Wasser hält, wenn die anfängliche Begeisterung sich für’s Erste verflüchtigt hat und Du auf jedem Meter beißen und kämpfen musst. Es erleichtert Dich zu wissen, dass es bereits etwas wert ist, einfach nur Deine Stunden zu leisten. Du schenkst Deiner Sache Aufmerksamkeit, Du bringst den Energieeinsatz. Ob Dich das sicher an Dein Ziel führt, das kann Dir niemand sagen. Aber es bringt Dich weiter. Wohin, das siehst Du, wenn Du ankommst.

Praxis-Tip: Nutze eine Stoppuhr oder ein Zeiterfassungsprogramm und notiere Dir die Stunden, die Du einbringst. Viel mehr als sechs Stunden pro Tag kann man sich ohnehin nicht konzentrieren. Aber die solltest Du leisten, wenn Du es ernst meinst mit dem, was Du tust.

7. Nutze die Pomodoro Technik

Menschliche Konzentrationsspannen sind begrenzt. Etwa sechs Stunden täglich sind drin. Das ist ein natürliches Limit. Die Pomodoro Technik lässt Dich mit dieser Tatsache effektiv umgehen: Setze eine Stoppuhr auf 25 Minuten und anschließend auf 5 Minuten. Das sind Deine Intervalle. 25 Minuten Konzentration gefolgt von 5 Minuten Pause. Nach drei bis vier solcher Intervalle kommt eine längere Pause. Nach maximal sechs Intervallen, also insgesamt drei Stunden, sollte eine große Pause folgen von mindestens 45 Minuten.

Auf diese Weise hast Du immer ein klares Ende vor Augen und kannst Deine Konzentration aufrecht erhalten, kannst effektives Lernen betreiben. Und verlierst Dich nicht in Tagträumen.

8. Nutze Wiederholungen

Ein kurzer, aber essentieller Rat. Repetitio mater studiorum est – Wiederholung ist die Mutter des Wissens. Einmal durchlesen oder anhören reicht normalerweise nicht, um dauerhaft abzuspeichern. Deswegen plane Zeit ein für Wiederholungen. Hervorragend funktioniert das mit Karteikarten und Übersichten. Und denke dabei an die Lernspirale aus Nr. 5!

9. Kenne Dein Warum

Das Beste kommt zum Schluss. Ich würde behaupten, dass diese Methode die wichtigste von allen ist. Wenn Du sie befolgst und Dir Deine Beweggründe glasklar bewusst sind, ergibt sich der Rest meist wie von selbst. Das ist sogar wissenschaftlich belegt: In einer Studie fand man heraus, dass Prokrastination (Aufschieben) vor allem bei solchen Kandidaten auftritt, die nicht oder nur extrinsisch motiviert sind. Daher besinne Dich regelmäßig darauf, warum Du effektiv lernen/studieren/produktiv sein möchtest. Was wird es Dir bringen, was ist Dein ultimatives Ziel hinter alldem? Was kannst Du mit Deinem erreichten Ziel anfangen? Wie kannst Du das gewonnene Wissen, die gewonnen Fähigkeiten einsetzen? Welche Möglichkeiten entstehen Dir daraus? Welchen Unterschied kannst Du dadurch bewirken?

 

Übrigens: Noch mehr über optimales Lernen kannst Du in diesem Artikel erfahren.


Schließende Worte

Das war eine Menge Stoff. Wie eingangs erwähnt handelt es sich nicht um eine Aufgabenliste. Es gibt nicht das eine optimale, effektive Lernen. Picke Dir jeweils zwei bis drei Methoden heraus und wage das Experiment. Gehe es spielerisch an: Wieviele Seiten kannst Du an einem Tag durcharbeiten? Wie kannst Du ein kompliziertes Konzept so einfach erklären, dass sogar Dein Vogel es verstehen wird? Wieviele Stunden intensiver Konzentration kriegst Du in einer Woche zusammen? Einfach mal machen.

Welche der Methoden können für Dich jetzt den größten Unterschied bewirken? Wie wirst Du sie in den nächsten Tagen einsetzen? Welche neuen Herausforderungen und Möglichkeiten werden sich dabei ergeben? Erzähle es gerne per Kommentar unter diesem Beitrag oder sende mir eine Nachricht an kontakt@lionlogert.com

Klicke hier bei Interesse an einer kostenlosen Coaching Session.

Bis zum nächsten Mal

Dein Lion

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.