Selbstwirksamkeit: aus der Talsohle auf den Gipfel.

Persönliche Krisen meistern und gestärkt hinter sich lassen.

Weite Teile des nachfolgenden Textes sind entstanden in einer Phase, in der ich mich selbst durch eine mittelschwere Krise kämpfte. Nachdem ich meinen Studienabschluss geschafft hatte, fiel ich in ein Loch und wusste über viele Wochen nichts mehr mit mir anzufangen. Während bis dahin all meine Konzentration auf eben diesen Abschluss gerichtet war, hing ich nun mehr oder weniger lose im Raum herum und hatte keine klare Richtung. Dazu wurde ich krank. Heftige Kopfschmerzen. Ständige Übelkeit. In der schlimmsten Zeit blieben mir morgens nach dem Aufstehen wenige Minuten um im Bad das allernötigste zu verrichten bevor ich mich wieder hinlegen musste. Nach und nach sammelte ich mich wieder und erkannte in diesem Tief meine Gelegenheiten für Besserung und Fortschritt. Ein Lebensabschnitt war vorüber und ich musste mich neu orientieren, musste neue Wege einschlagen und Vertrautes zurücklassen. Uns allen begegnet dergleichen in verschiedenen Gestalten immer und immer wieder im Leben.

Dieser Text handelt deswegen davon, wie man mit einer Krise konstruktiv umgehen und gestärkt aus ihr hervorgehen kann, welche ersten Schritte sinnvoll sind und welchen Dämonen man sich zwischendurch stellen muss.

Körperliches Wohlbefinden

Mens sana in corpore sano – ein gesunder Geist in einem gesunden Körper. Wenn man sich körperlich gut fühlt, schlägt das durch auf das geistige Wohlbefinden. Hier an den Anfang gestellt, weil es so herrlich einfach ist, in diesem Bereich etwas zu tun und in Bewegung zu kommen. Ernährung, Sport, ausreichend Schlaf, Sex. Körperliche Betätigung ist eines der wirkungsvollsten Antidepressiva. Wer sich dazu bringen kann, sich zu bewegen, und sei es nur für einen Spaziergang, der wird glücklicher. Eine Massage. Ein Saunabesuch. Dergleichen entspannt und bringt auf neue Ideen. Jeder hat ein Lieblingsessen und ein Lieblingsgetränk. Sich verwöhnen. Wirkt Wunder. Man muss sich manchmal selbst ein bisschen lieb haben. Es hilft.

Mit dem körperlichen Wohlbefinden steigt das allgemeine Energielevel. Man kann wieder mehr mit sich anfangen. Probleme werden machbar. Alles ist irgendwie nicht mehr ganz so tragisch. Das Leben geht weiter und man hat ein bisschen Lust, es sich so schön wie möglich zu machen.

Dankbarkeit praktizieren

Dankbarkeit und Angst können wir nicht gleichzeitig empfinden. Wirklich nicht. Diese beiden Emotionen schließen sich biochemisch gegenseitig aus. Um den emotionalen Zustand zu verbessern, ist es daher extrem wirkungsvoll, sich aktiv in das Gefühl von Dankbarkeit hineinzuversetzen. Wie das funktioniert? Wirklich einfach. Man kann zum Beispiel Fragen benutzen. Wofür bin ich dankbar in meinem Leben? Was ist heute passiert, wofür ich dankbar bin? Und das können die kleinsten Kleinigkeiten sein. Die grüne Welle im Feierabendverkehr. Das nette Lächeln einer Kassiererin. Die Tasse Kaffee am Morgen, die besonders gut geschmeckt hat. Je individueller und konkreter die Situation, desto besser.

Wer es ganz ernst meint mit der Dankbarkeit, der kann eine kleine Meditation daraus machen wie folgt: man nehme sich einen ruhigen, ungestörten Ort und mache es sich dort so bequem wie möglich. Augen schließen und einige Male tief entspannend durchatmen. Dann werde bewusst. Wofür bist Du dankbar in Deinem Leben? Was daran macht Dich dankbar? Was gibt Dir das für ein Gefühl? Wo fühlst Du die Dankbarkeit in Deinem Körper? Wenn gerade gar nichts einfällt, dann versuche es hiermit: wofür könntest Du dankbar sein? Wie würde sich das anfühlen?

Einige Minuten verbringen in diesem Zustand und eintauchen so tief, wie es sich gerade gut anfühlt. Genießen. Hinterher fühlt man sich leichter und kraftvoller.

Ein Worst Case Szenario ausdenken

Wenn es einem wirklich schlecht geht, neigt man zur Verzweiflung und man fängt an, Gespenster zu sehen. Alle Welt kommt einem feindlich vor und überall lauern Betrug und Verrat. In solchen Momenten ist es sinnvoll, sich ein Worst Case Szenario auszumalen, in dem alle düstersten Bedenken sich bewahrheiten und zum ultimativen Schrecken zusammenbrauen. Man darf sich hier in den schillerndsten Farben ausmalen, wie wirklich alles schief geht. Dabei passieren ein paar interessante Dinge. Die kreative Betätigung und die völlige Übertreibung machen zum Schluss beinahe schon Spaß, obwohl es um den eigenen Untergang geht. Man gelangt zu einer Tragikkomik, die erfrischend sein kann.

Man bekommt eine klare Vorstellung davon, was denn überhaupt passieren kann. Die verrückten Stimmen im Kopf, die die Verzweiflung auf der Abwärtsspirale hinab treiben, werden still. Wenn man weiß, wo ganz unten auf der Abwärtsspirale ist, dann weiß man wo man dran ist. Ich denke dabei immer an J. K. Rowling, die Autorin von Harry Potter, die sagte, ‚Rock bottom became a solid foundation upon which I rebuilt my life‘.‚Der absolute Tiefpunkt wurde ein solides Fundament, auf dem ich mein Leben neu gestalten konnte‘.

Man bemerkt, dass eine Menge dieser Tragik höchst unwahrscheinlich ist. Das gibt ein wenig Erleichterung. Die Erkenntnis stellt sich ein, dass man auch mit diesem Worst Case Szenario irgendwie umgehen kann. Es ist nicht schön und es braucht Kraft. Aber es ist machbar. Und wahrscheinlich ist es eine Gelegenheit für kolossales Wachstum. Das aktiviert Ressourcen.

Perspektive gewinnen

Wenn Du diesen Text liest, dann verfügst Du bereits über einen entscheidenden Vorteil: Du hast die Möglichkeit erkannt, selbstständige Entscheidungen zu treffen und dadurch Veränderungen in Deinem Leben zu etablieren. Du hast das Bewusstsein, dass Veränderung möglich ist und die Zuversicht, Dich in eine neue Richtung bewegen zu können. Du kannst lesen. Du lebst wahrscheinlich in einem freien Land. Du hast einen Internetanschluss. Du hast die Kraft aufgebracht, den ersten Schritt zu gehen und Dich mit diesem Text zu beschäftigen. Das unterscheidet Dich bereits von all denjenigen, die sich von ihrer Verzweiflung haben übermannen lassen, von denjenigen, die mental oder körperlich in Gefangenschaft sind und von denjenigen, die keinen Zugang haben zu Möglichkeiten der Veränderung. Fokussiere Dich auf die positiven Aspekte Deiner Situation, um sie Dir bewusster zu machen. So gelangst Du in einen ressourcengeladenen Zustand – eine wunderbare Voraussetzung, um kraftvollen Wandel einzuleiten.

Klein anfangen: Baby Steps

Wer einen Elefanten verspeisen möchte, der fängt mit ganz kleinen Happen an. Das ist ein Grundkonzept aus der Persönlichkeitsentwicklung – Ziele in machbare Schritte zu zerlegen, so dass das große Ganze erreichbar wird. Umso wichtiger ist das, wenn man sich gerade in einem persönlichen historischen Tief befindet. Den kleinen Zeh zu rühren kann in solchen Momenten wie eine unmögliche Anstrengung erscheinen. Schon der unerledigte Abwasch treibt einen in die Verzweiflung. Wenn das Energielevel derart niedrig ist, dann hat es wenig Sinn, sich Mammutprojekte vorzunehmen und sich damit nur noch weiter herunterzuziehen. In so einer Lage sollte man sich mit kleinsten Minischritten auf Trab bringen. Sport machen? Zehn Minuten spazieren reicht. Wohnung putzen? Ein Zimmer saugen für’s Erste. Und so weiter.

Dieser Ansatz lässt sich hervorragend kombinieren mit dem ersten Punkt Körperliches Wohlbefinden steigern. Eine einzige gesunde Mahlzeit. Eine kleine Runde durch den Park. Fünf Minuten Meditation. Indem man das körperliche Energielevel steigert, hat man generell mehr Elan und Motivation für kommendes. Es entsteht ein sogenannter positiver Selbstbekräftigungszirkel. Eine Aufwärtsspirale. Je mehr man seine Energie aufpumpt, desto mehr kann man sie immer weiter aufpumpen.

Wer selbst darauf keine Lust hat, der kann noch einen Schritt weiter zurückgehen und sich das Miniziel setzen Genieße morgen einen schönen Moment. Dann kann man sich überlegen, was einem dabei helfen würde. Ein kleines Morgenritual vielleicht, um das Gefühl zu haben, den Tag bewusst sinnvoll zu starten. Es braucht nur ein paar Minuten dauern. Man mache sich eine Tasse Tee oder Kaffee und überlegt sich zwei bis drei Punkte, die man am Tag gerne erledigen würde und schreibt diese auf. (Es geht nicht darum, sie tatsächlich zu erledigen. An dieser Stelle ist die Hauptsache die gezielte Absicht zu fassen)

Hilfe von Außen holen

Wir leben in einer Kultur, in der es tendenziell verpönt ist, psychische Probleme zu haben. Wer einen Psychologen konsultiert, bei dem stimmt nach allgemeiner Auffassung etwas nicht. Der ist ‚komisch‘. Dies ist einer der Gründe, warum der Mensch sich heute ziert, bei persönlichen Problemen Rat von Außen einzuholen. Er hat Angst vor sozialen Sanktionen in Form von Ansehensverlust und Einbußen an Prestige. Victor Frankl schrieb in seinem großen Werk ‚Man’s search for meaning‘*, dass der Mensch heute nicht nur darunter leidet, dass es ihm bisweilen schlecht geht. Wenn es ihm schlecht geht, dann ist ihm das auch noch peinlich. Man hat jederzeit gut drauf zu sein. Schlechte Laune ist persönliches Fehlversagen. Offen gesagt plädiere auch ich grundsätzlich dafür, dass jeder seines Glückes Schmied ist und langfristig die Verantwortung für einen Platz im Leben übernehmen muss. Aber es gibt für jeden Menschen Momente, in denen er schwach ist und die Orientierung verliert. Von genau solchen Momenten handelt schließlich hiesiger Text, der für solche Krisen Rat gibt. Insoweit hat der Leser, der sich mit diesen Zeilen beschäftigt bereits angefangen, die Krise zu verarbeiten. Er hat bereits etwas richtig gemacht indem er sich diese Hilfe von Außen ins Boot geholt hat. Das persönliche Gespräch ist eine noch intensivere Angelegenheit und daher dringend zu empfehlen. Wer es erst selbst probieren möchte – nur zu! Es gibt Krisen, die wir alleine überwinden können und müssen. Aber: Um nicht zu versacken sollte man sich unbedingt eine Frist setzen. Wer es innerhalb von drei Monaten nicht geschafft hat, sich selbst an den Haaren aus dem Sumpf zu ziehen, der droht die Lage noch wesentlich zu verschlimmern. Er riskiert wertvolle Lebenszeit und den endgültigen Untergang. Daher: Manchmal muss man über seinen Schatten springen und sich eingestehen, dass man es alleine nicht schafft, um dann den wichtigsten Schritt gehen zu können – Sich helfen lassen.

Abstand herstellen

Wer jemals etwas vom systematischen Coaching gehört hat, der kann sich bereits vorstellen, was hiermit gemeint ist. An sich ist es aber auch kein besonders exotisches Konzept. Es eines von diesen einfachen Dingen, die wegen ihrer Einfachheit häufig zu Unrecht keine Beachtung finden.

Wenn man sich zu tief in einer Situation versunken findet und sie droht einen zu erdrücken, dann ist man gut daran gelegen, sich vorerst herauszuwinden und sie hinter sich zu lassen um zu einem späteren Zeitpunkt zurück zu kehren und sich dann ihrer anzunehmen.

Wem die Ressourcen fehlen für eine längere Reise oder dergleichen, der kann auf andere Mittel ausweichen. Eine Geschichte lesen. Einen Film schauen. Einen Tagesausflug unternehmen. Einige Tage sich bei Freunden einquartieren. Die Hauptsache ist, dass man sich neuen Eindrücken aussetzt. Dadurch gerät die Problemsituation erstmal in Vergessenheit. Oder sie ist wenigstens nicht mehr das einzige, was das Gemüt bewegt. Where your focus goes energy flows. Wohin Du Deine Aufmerksamkeit richtest, dorthin fließt Deine Energie. Daher ist es fast egal, womit man sich beschäftigt und wie glamourös man dabei ist, Abstand herzustellen. Man muss nur darauf achten, dass die Bewusstseinsinhalte sich ändern. Mancher kann sich durch eine Meditation bereits wunderbar entleeren. Jemand anders muss mit den Jungs oder Mädels eine Tour unternehmen und tief ins Glas schauen. Man sollte zwar nicht zu radikal sein und seine Gesundheit auf’s Spiel setzen, aber es ist durchaus hilfreich, ein bisschen verrückt zu spielen und neue Sachen auszuprobieren, auch Risiken einzugehen. So können aus einem Tief neue Inhalte entstehen, weil man sich angesichts der Misere endlich traut, Schritte zu unternehmen, vor denen man vorher Angst hatte.

Zwei Schritte vor, einen zurück

When you are going through hell, keep going – wenn Du gerade durch die Hölle gehst, gehe weiter. Eine Krise bezwingen – das passiert nicht in einem einzigen Aufwasch. Es ist eine Reise mit Höhen und Tiefen und Sackgassen. Als ich das letzte mal ein mittelschweres Tief durchschreiten musste, ist folgender Tagebucheintrag entstanden:

Eine Sache beschäftigt mich momentan am allermeisten: vorgestern ging es mir einigermaßen gut, ich war konzentriert und energetisch und lustig gelaunt; gestern dann wachte ich mit Druck auf dem Kopf auf, der erst gegen Abend verging und heute bin ich durchweg leicht benommen. Ich trauere dem tollen Vorgestern hinterher. Denn heute geht es mir schlecht und ich lasse außer Acht, dass ich vor genau einer Woche den halben Tag auf der Couch verbrachte, weil ich ungefähr zehn Stufen tiefer angesiedelt war als heute. Der Weg aus meinem Tief heraus hat selbst seine Höhen und Tiefen. Es ist kein linearer Vorgang. An manchen Tag fühle ich mich ausgezeichnet. An anderen geht es mir nach wie vor eher miserabel. Aber die Tendenz passt.

Manchmal vergisst man, wie weit man eigentlich gekommen ist, sieht nur die Unterschiede der letzten und nächsten Meter des Weges.

Man darf sich nicht davon entmutigen lassen, dass es nicht stetig bergauf geht. Das ist manchmal nicht einfach, wenn man gerade die Erleichterung über den Fortschritt spürt und dann erkennen muss, dass ein Teil davon schon wieder weggefallen ist. Das Problem hierbei ist unsere Wahrnehmung: Wir nehmen immer den Vergleich wahr. Das kann man sich ganz leicht selbst demonstrieren indem man die eigenen Hände zunächst jeweils rechts in kaltes, links in heißes Wasser hält und anschließend beide gemeinsam in lauwarmes Wasser. An der rechten Hand fühlt es sich warm an, an der linken kalt. Die Wahrnehmung bezieht sich immer auf die zeitlich vorhergegangene Referenz. Wer nach zwei Vorwärtsschritten einen Rückschritt macht, der sieht nicht, dass er immer noch einen Schritt weiter ist als am Anfang. Hier ist es essentiell, sich seinen Fortschritt vor Augen zu halten. Wer einen Berg besteigt, der braucht einen Höhenmesser. Tagebuch schreiben (und lesen) kann großartige Hilfe leisten.

Bewusstes Erleben. Widerstände loslassen.

Wenn wir uns mit einer schwierigen Situation konfrontiert finden, neigen wir häufig dazu, uns gegen sie wehren. Wir wünschen uns, dass Dinge anders wären als sie tatsächlich sind. Wir akzeptieren den Status Quo nicht sondern begeben uns in eine Grundhaltung von Widerstand und Ablehnung. Eine solche Reaktion ist nur zu verständlich. Und man sollte sich selbst nicht dafür verurteilen, dass man einen Zustand nicht akzeptieren möchte; das würde es nur noch schlimmer machen. Wenn man aber den eigenen Widerstand erkennt, dann kann man einen ersten Schritt machen und dem Widerstand selbst seinen Raum geben. Widerstand gegen Widerstand ist in diesem Falle zwecklos. Es ändert nichts. Den Schmerz spüren. Sich dem Moment hingeben, wie er jetzt ist. Akzeptieren, wie die Dinge sind. Sich so gut man kann mit dem Status Quo arrangieren. Es für den Moment einfach hinnehmen, wie die Dinge sind, diese Herangehensweise öffnet Türen zu neuen Möglichkeiten und Ressourcen. Bewusst zu erleben, in welcher Art von Situation man sich befindet und sie voll und ganz anzuerkennen schafft den Raum, den es braucht, um anschließend Bewegungen zu initiieren. Wenn man die Symptome einer Krankheit spürt, hilft es nichts, diese zu ignorieren. Indem man die grundlegende Ursache – die Krankheit selbst – als jetzt gegeben hinnimmt, ebnet man den Weg für dienliche Maßnahmen. Etwa ein Weniger an Belastung oder die Verabreichung von Medizin.

Zufluchten und kleine Freuden

Wenn man für den Moment gar nicht mehr ein noch aus weiß, dann empfiehlt es sich, zunächst die Akkus ein klein wenig aufzuladen um dann erstmal einen sicheren Hafen anzusteuern und von dort aus weiterzusehen. Wenn der Tank völlig leer ist nimmt man sich nach Möglichkeit ein paar Liter aus dem Reservekanister um den Weg zur nächsten Zapfsäule zu überbrücken.

Mit kleinen Selbstliebkosungen kann man sich Erleichterung verschaffen wie mit einem Schmerzmittel. Das löst noch nicht das ganze Problem, aber es schafft einen freien Kopf, um weitere Maßnahmen zu planen und man kommt erstmal auf andere Ideen, ist nicht nur auf den Schmerz der momentanen Lage fixiert.

Diese kleinen Freuden können alles mögliche sein. Ein Stück Schokolade, eine Tasse Kaffee, Schmusen mit der Katze, ein schönes Gedicht lesen. Mir persönlich gefällt folgender Ansatz, um auf Ideen zu kommen. Er ist zugegeben makaber und nicht übermäßig originell, aber sehr wirkungsvoll: Stelle Dir vor, Du hast gerade erfahren, dass Du in einer Woche sterben wirst – was würdest Du jetzt tun?

Interessanterweise steckt darin eine verborgene Wirklichkeit: Denn wenn wir ein heftiges Tief durchschreiten, lassen wir immer einen Teil unseres bisherigen Selbst zurück. Dieser Teil von uns stirbt auf dem Weg. Nehmen wir also Abschied und befreien uns von der Vergangenheit, um Raum zu schaffen für die Zukunft.

Die Dämonen beschwichtigen

In einer Krise spielen die inneren Dämonen verrückt. Auch wenn wir ihre Stimmen vielleicht nicht direkt wahrnehmen, sind wir dennoch geplagt von diesem bedrückenden Gefühl der Hektik und Unruhe, das diese Stimmen auslösen. Die Gedanken rasen, man findet keinen Frieden. Es gibt so vieles, das getan werden muss und so vieles, das gedacht werden muss. Man wird schier wahnsinnig. Oder man glaubt gar es schon zu sein.

In diesem Zustand rennt man bestenfalls durch die Gegend wie ein Huhn ohne Kopf. Es gibt keine klare Richtung, keine Intention, nur die instinktive Verzweiflung. Meistens hat man in so einem Moment auch noch das Gefühl, dass man genau so herumrennen muss, sonst in Gefahr geriete, es noch weiter zu verschlimmern. Wie auf einem kleinen Ruderboot voller Löcher ist man gänzlich damit beschäftigt, um das Überleben zu kämpfen und findet keinen Raum, Pläne für neue Optionen zu schmieden. Besonders dann sollte man Freiräume schaffen. Luft zum atmen. Denn jeder sollte sich zwanzig Minuten am Tag hinsetzen und meditieren. Es sei denn, er hat nicht die Zeit dafür, dann sollte er sich eine Stunde nehmen.

Wenn man von denen Dämonen quer durch’s Zimmer gejagt wird und nicht ein noch aus weiß, dann sollte man am besten zur Tür hinausgehen und sie hinter sich schließen. Abstand nehmen. Einen Schritt zurücktreten und das Ganze von einer höheren Warte betrachten. Mir persönlich gelingt das am besten durch Meditation oder beim spazieren. Im Gehen lässt sich alles leichter ertragen. Bei der Meditation auf den Atem konzentriert die Gedanken und Gefühle zur Ruhe kommen lassen. Der Stille lauschen, den eigenen Körper spüren. Für einige Momente das Sein genießen und Freude und Frieden empfinden an der eigenen Präsenz. Die Frische, die einkehrt, wenn man zur Ruhe findet. Ein trübes Gewässer reinigt man am besten, indem man es einfach stehen lässt.


Zum Schluss: Die Chance in der Krise erkennen

Während man eine Krise durchschifft, trifft man auf Strapazen und Unwirtlichkeit. Man begegnet sich selbst auf bislang völlig ungekannten Ebenen, die häufig äußerst unangenehm sind. Die eigenen Schwächen werden mit aller Hässlichkeit offen gelegt. Und manchmal, wenn man denkt, es geht langsam vorüber, dann trifft es einen nochmal aus einer anderen unerwarteten Ecke. Man findet sich wieder im Dreck auf dem Boden liegend und ist den Tränen nah. Zwei Schritte vor. Einen zurück. Manchmal muss man alle seine Kräfte zusammen nehmen und irgendwo noch ein bisschen extra Kraft aufsammeln, um nicht der Verzweiflung anheim zu fallen. Es ist keine schöne Zeit, so eine Krise, und sie kann länger dauern als man glaubt auszuhalten in der Lage zu sein.

Hier muss man sich bewusst machen, dass eine Krise ein Prozess ist, der Zeit braucht. Das Leben will nicht ärgern oder wehtun. Eine Krise ist eine Wachstumsgelegenheit. Die Schmerzen sind notwendiger Bestandteil davon, eine neue Ebene zu erreichen. Wachstumsschmerzen. Geburtsschmerzen. Ein Teil des Selbst geht gerade zugrunde, scheidet aus dem Leben. Ein neuer Teil entsteht, wird geboren. Es ist das Leben selbst, der ewige Kreislauf, erlebt auf ganz persönlicher Ebene.

In den geschaffenen Freiräumen sich hinein begeben in neue Inhalte und Gestaltungsmöglichkeiten erkennen für das eigene Leben bringt in Verbindung mit den Möglichkeiten, die die Krise in sich trägt. Es ist leichter gesagt als getan aber auf diese Weise kann man die Krise als Chance wahrnehmen, als eine sich öffnende Tür nach all denjenigen, die in der Krise mit einem Knall zugefallen sind.

So lernt man, indem man die Krise durchläuft, neue innere Kraftquellen kennen. Man erhält die Gelegenheit, das eigene Leben neu zu definieren. Grenzen können gesprengt werden, weil sie unwichtig geworden sind, keinem Zweck mehr dienen. Man erweitert die Komfort Zone, weil man muss, weil es die bekannte Komfort Zone nicht mehr gibt. Man weiß nicht, wie stark man wirklich ist, bevor man keine andere Wahl hat, als so stark zu sein wie es geht. Es gibt keinen sicheren Hafen, keine Rückzugsorte oder doppelten Böden. Die Grundfeste sind erschüttert. Es ist eine Phase, in der die Lebenselemente ihren Aggregatzustand ändern und formbar werden. Was fest war, ist jetzt flüssig. Hitze und Druck haben das Leben verwandelt und man begegnet ihm ihn schwachen, grotesken Formen, erkennt das eigene Leben nicht wieder. Manche Bestandteile haben sich wahrscheinlich einfach aufgelöst oder wurden weggefegt vom Sturm der Krise. Naturkatastrophen zerstören künstliche Gebilde. Mit ausreichend starker Präsenz dem Leben selbst begegnen, die eigene Lebendigkeit spüren. Das Potential zwischen den Zeilen der sich zersetzenden Lebenssituation erkennen und Kreativität und Initiative einsetzen, um neues entstehen zu lassen.

Ich gerate hier in Gefahr, übertrieben pathetisch zu klingen. Wenn ich es denn nicht bereits tue. Grund dafür ist, dass ich selbst an das einer jeden Krise immanente Potential glaube und hinterher bislang stets froh war, darauf gestoßen zu sein. Wie im Artikel Wozu sich völlig verausgaben bereits zum Thema Selbstüberwindung ausführlich erläutert, ist eine Krise eine Situation, in der Du Dir selbst begegnest auf Arten und Weisen, die es zuvor niemals gab. Eine Krise zwingt Dich zur Selbstüberwindung, weil Du nicht mehr auf den gewohnten, komfortablen Bahnen bleiben kannst; wahrscheinlich gibt es sie gar nicht mehr. Die Krise fordert Dich aufs Äußerste heraus und fordert Dich heraus, Ressourcen anzuzapfen, die Du nicht kanntest.

Bis zum nächsten Mal.

Dein Lion

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