The 4 Disciplines of Execution: Trotz Ablenkung das Wesentliche erledigen

4DX Isaac Smith Unsplash

Gastbeitrag von Hendrik Musekamp

 
Hendrik Musekamp ist Gesundheitspsychologe, Coach und Ergotherapeut. Er bietet Stress & Performance Coaching für jene, die eine schnelle Lösung suchen. Auf hendrikmusekamp.com schreibt er über die Schnittmengen von Psychologie, Führung und Gesundheit. Besonders herausragend sein umfangreicher Artikel zum Thema Gewohnheiten.
 
Anbei ein Gastbeitrag von Hendrik zum Buch The 4 Disciplines of Execution von Chris McChesney und Sean Covey. Hendrik erläutert die 4 Prinzipien (4DX) und gibt Anleitung für deren Umsetzung. Damit Du Deine gesetzten Ziele sicher erreichst!
 
Ohne weitere Vorrede – Hendrik Musekamp:
 

Ziele haben und Ziele erreichen können zwei verschiedene Dinge sein. Schon Kurt Lewin (1890 – 1947), Pionier der Psychologie, unterschied zwischen »goal setting« und »goal striving«. Und gerade in der Alltagshektik kann es schwer sein das persönlich Wesentlichen zu erledigen.

Chris McChesney hat ein System für jene, die Ergebnisse wollen. Ein System für das Erreichen von Zielen, statt sie nur zu setzen: The 4 Disciplines of Execution (oder kurz 4DX).

Die 4 Disziplinen kommen aus der Geschäftswelt, helfen aber überall da, wo wir Wichtiges erledigen wollen, wenn wir zugleich konkurrierende Ziele und Ablenkung vorfinden. Der Grundgedanke: Wenn wir scheitern liegt es oft nicht an der Strategie, sondern an mangelnder Umsetzung.

Ich möchte die vier Disziplinen hier als Maßnahme zur Steigerung der persönlichen Effektivität vorstellen.

Los geht’s!

Übersicht der 4DX:

  • Disziplin #1: Priorität ist ein Singular, bleib dabei
  • Disziplin #2: Unterscheide »lead« und »lag measures«
  • Disziplin #3: Frage Dich: Wo ist mein Feedback?
  • Disziplin #4: Blicke regelmäßig zurück

Disziplin #1: Priorität ist ein Singular, bleib dabei

Wir alle haben Ziele. Eine Beförderung im Job. Abnehmen. Im Fernstudium den Master machen. Neben der Arbeit endlich den Artikel für die Fachzeitschrift fertig stellen. Mehr Ruhe im Alltag…

Dabei gilt: Je mehr Dinge wir versuchen, desto weniger können wir erfolgreich beenden. Das besagt auch ein altes russisches Sprichwort.

»If you try and chase two rabbits, you will not catch either one.« – Russisches Sprichwort

Greg McKeown, Autor von Essentialism: The Disciplined Pursuit of Less stellt es ganz einfach dar: Je mehr wir unsere Energie in verschiedene Richtungen aufteilen, desto geringer unser Fortschritt. Wenn wir unsere Energien bündeln sind Fortschritte umso deutlicher.

Klar, oder?

Konzentriere Dich daher auf das Wesentliche (»wildy important goals« im Original). Nicht mehr.

Das heißt 1 (bis 2) absolut wichtige Ziele, denen Du Dich mit voller Aufmerksamkeit widmest.

Naja fast. Es gibt ja immer noch den Wirbelwind des Alltagsgeschäfts. Einkäufe, Staubsaugen, Pakete, die aus der Packstation geholt werden wollen und Windeln, die gewechselt werden wollen.

Aber wenn wir uns auf das Wenige konzentrieren, das uns packt, haben wir die beste Chance:

«…if you want to win the war for attention, don’t try to say “no” to the trivial distractions you find on the information smorgasbord; try to say “yes” to the subject that arouses a terrifying longing, and let the terrifying longing crowd out everything else.» – David Brooks, The Art of Focus

Was beschäftigt Dich? Was ist die eine wahnsinnig wichtige Sache, die Du tun kannst, die alles leichter machen würde? Und was wäre dann anders?

Disziplin #2: Unterscheide »lead« und »lag measures«

Bill Walsh, seit 1979 Coach und Manager der San Francisco 49ers, führte die Football Mannschaft vom unteren Ende der Tabelle in nur drei Jahren an die Spitze.

Am Ende der 70er Jahre gehörten die 49ers zu den schlechtesten Teams der NFL. Auch in Walshs erster Saison verlor das Team 14 Spiele. Aber 24 Monate nach Übernahme gewannen die 49ers den ersten von drei Super Bowls.

Wie das passiert ist?

Bill Walsh hat sich nicht per se auf das Gewinnen konzentriert. Er hat auch keine Vorhersagen über erste Siege oder Meisterschaften gegeben.

Walsh konzentrierte sich auf scheinbar kleine Dinge. Er sprach vom »Standard of Performance«: Was getan werden sollte. Wann. Wie.

Walsh hatte nur einen Plan, der vorsah diese Standards zu etablieren.

Er konzentrierte sich damit auf denkbar triviale Dinge: Spieler durften sich beim Training nicht aufs Spielfeld setzen. Trainer mussten eine Krawatte tragen und ihr Hemd gehörte in die Hose. Jeder im gesamten Team hatte zu geben was er hatte und Entschlossenheit zu zeigen. Fairness und Teamplay waren essentiell. Die Umkleide musste sauber und ordentlich sein. Linemen wurden in 30 verschiedenen Techniken »gedrillt«.

Es wäre ein Fehler zu sagen ihm ginge es um Kontrolle. Vielmehr schaffte er notwendige Vorraussetzungen für gute Leistung.

Es gibt Dinge, die wir direkt, indirekt oder gar nicht beeinflussen können. Es geht um die Frage nach dem Hebel.

Die 4DX-Methode unterscheidet in diesem Sinne »lead und lag measures«.

»Lag measures« sind die Dinge, die wir schließlich wollen, wie den Super Bowl. »Lead measures« sind die Dinge, die uns dort hin führen.

lead = führen | lag = nachhinken

Wenn wir Ziele erreichen, sind die Leistungen, die uns dahin geführt haben, meist weit in der Vergangenheit.

Wie die amerikanische NFL Meisterschaft, kommen auch eine hohe Mitarbeiterzufriedenheit, viele Kundenanfragen, das Traumgewicht oder ein effektiver Arbeitsstil nicht aus dem Nichts. Es sind oft viele kleine Dinge, die einzeln betrachtet keinen großen Unterschied machen. Zusammen aber schon.

Sich auf das zu konzentrieren was wir hier und jetzt tun können, erlaubt uns direkten Einfluss auf die nahe Zukunft und unsere Ziele.

Woran würdest Du erkennen, dass Du deinem Ziel näher kommst (lag measure)? Woran noch?

Welche Knöpfe kannst Du drücken, welche Hebel in Bewegung setzen, um voran zu kommen (lead measure)?

Disziplin #3: Frage Dich: Wo ist mein Feedback?

Nach einer Studie von Jack Zenger und Joseph Folkman wünschen sich Mitarbeiter Feedback. Nicht nur das positive Feedback, sondern die Art Feedback, die sagt was korrigiert werden kann. Vorausgesetzt es wird taktvoll angebracht.

Wenn es um die persönliche Effektivität geht sind wir selbst Chef und Mitarbeiter. Wir selbst schaffen die Rahmenbedingungen und müssen uns unser Feedback liefern.

»People play differently when they’re keeping score.« – Chris McChesney et al., The 4 Disciplines of Execution

In der 4DX-Methode werden »Scoreboards« vorgeschlagen. Hier wird der »Spielstand« angezeigt. Natürlich in Bezug auf »lead« und »lag measures«.

Eine Strichliste oder ein Kalender können schon reichen. Ein Kreuz für erledigte Workouts, genommene Medikamente, getrunkene grüne Smoothies oder geschriebene Seiten liefert einfache Rückmeldung. Top oder flop. Erledigt oder nicht?

Natürlich geht es nach Belieben komplizierter und kann angepasst werden.

Jim Collins, Autor von Good to Great, trägt bspw. eine Stoppuhr mit drei Timern bei sich, um zu messen wie viel Zeit er mit je kreativer Arbeit, dem Unterrichten und sonstigen Aktivitäten verbringt. Er setzt sich das Ziel mindest 50% seiner zeit mit kreativer Arbeit zu verbringen, damit die Qualität seiner Arbeit hoch bleibt.

Feedback ist eine Quelle zur Selbstverstärkung. Erste Erfolge erkannt, möchte man die Leistung aufrechterhalten.

Welchen Unterschied könnte es machen, wenn Du all Deine Anstrengungen darauf konzentrierst die »lead measures« auf Deinem »Scoreboard« voran zu bewegen?

Disziplin #4: Blicke regelmäßig zurück

»[This] is where execution really happens.« – Chris McChesney et al., The 4 Disciplines of Execution

Ohne regelmäßige Rückblicke auf das, was funktioniert, und was nicht, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass anfängliche Fortschritte stagnieren und ausbleiben. Das Alltagsgeschäft und operative Hektik werden Dich vereinnahmen.

Für einen Rückblick bieten sich die folgenden Fragen an. Hier für ein wöchentliches Review angepasst:

  • Welche Fortschritte haben sich in der letzten Woche in Bezug auf »lead measures« ergeben?
  • Was funktioniert? Was nicht? Wovon will ich mehr, wovon weniger tun?
  • Welche Fortschritte will ich in der kommenden Woche sehen?

Was würde ein regelmäßiger Rückblick verändern? Wie könnten sich Deine Konzentration und Entschlossenheit verändern?

Disziplin vs. Strategie

Eine Disziplin ist etwas anderes als eine Strategie oder ein Ratschlag.

Disziplinen sind wie gute Gewohnheiten. Sie brauchen Wiederholung und Übung. Dann liefern sie Ergebnisse.

Dazu Steve Chandler:

»There’s a reason we call them disciplines instead of other things like “tips” or “strategies” or “secrets” or things like that. Disciplines are activities that are practiced. Disciplines are things that you put yourself through and work with and take out into the world and do.« – Steve Chandler, The Prosperous Coach

Lass uns für einen Moment annehmen Du würdest die vier genannten Prinzipien raus in die Welt tragen und anwenden wollen, um Deine Effektivität zu steigern.

Würdest Du diesen Artikel noch einmal lesen? Oder würdest Du Dich direkt auf das Wesentliche konzentrieren, überlegen welche Maßnahmen Dich voran bringen und welches Feedback Du brauchst?

Oder würdest Du einen ganz anderen Weg einschlagen?

Lass es uns in den Kommentaren wissen!

5 Antworten zu “The 4 Disciplines of Execution: Trotz Ablenkung das Wesentliche erledigen”

  1. Ich nehme gerade an einem Online-Kurs der Foto-Agentur Magnum teil. In dem Kurs geht es um die Entwicklung eines Foto-Projekts und wie man dieses Projekt zu ende bringt.
    Einige der hier erwähnten Punkte werden im Kurs zwar anders Ausgedrückt, es werden andere Metaphern genutzt, letztlich ist es aber sehr nahe an diesem Blog.

    Gruß Herr Rausch

    1. Hallo Herr Rausch,
      schön, dass dieser Gedankengang in Ihrem Online-Kurs aufgegriffen wird. Könnte man als Zuspruch für die 4 Prinzipien verstehen. Ich hoffe Sie kommen gut voran mit Ihrem Foto-Projekt 🙂

      Beste Grüße Hendrik

      1. Sehr gerne. Allerdings ist der Input des Kurses sehr umfangreich.
        Erstes kleines Fazit: Obwohl ich ihn noch nicht angeschlossen habe, ist in mir selbst sehr viel in Bewegung gekommen. Eigentlich wusste ich viele der „Einsichten“ schon. Mir fehlte nur eine andere Perspektive, um die Einsichten auch umsetzen zu können. Es ist ein neues Fotoprojekt in Entwicklung, bei dem ich neu erlerntes ausprobiere und vergessenes mit vorhandenem mixe. Mein Mood Board fliegt mir um die Ohren und ich muss Prioritäten setzen usw. Wesentliches erkennen, damit ich es vom unwesentlichen trennen kann.
        Herrliches Gefühl.
        Selbstverständlich werde ich meine Erfahrungen mir euch teilen, derzeit „knallt“ es halt sehr viel und bedarf einer Reflektion, wenn ich dazu ein wenig Abstand gewonnen habe.
        Und der Kurs kostet gerade mal 100 Dollar. Ich hätte niemals gedacht, dass er so abgeht.

        1. Die PS auch auf die Straße bringen. So wichtig. Freut mich, dass das gelingt!
          Und ja, diese Investitionen in den eigenen Fortschritt haben gerne eine gewaltige Rendite.
          Freue mich auf mehr, wie gesagt!

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