Wie man extrem gut sein kann

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Über das beste Leben in den größten Gegensätzen.

Die Erkenntnis: Gegensätzlichkeiten.

Die Welt, in der wir leben, ist ein Ort der Gegensätzlichkeiten. Die Dualität ist ein Grundmodus dieses Universums. Wie wirkt sich das aus in unserer Lebenswirklichkeit? Konkret dadurch, dass wir einen Zustand nicht erfahren können ohne sein Gegenteil zu kennen. Wir begegnen warm als Gegenteil zu kalt. Links gibt es nicht ohne rechts. Geräumig nicht ohne eng. Diese Gegensätzlichkeiten sind jeweils notwendige Bestandteile der Erfahrung. Unsere Erfahrung selbst erleben und gestalten wir als die zeitliche Aufeinanderfolge dieser Gegensätzlichkeiten.

Wenn Du begriffen hast, dass jede Erfahrung in Relation zu einem entgegengesetzten Zustand steht, kannst Du Deine eigene Lebenswirklichkeit und Deinen jetzigen Zustand besser verstehen und beeinflussen. Du erkennst Veränderungspotenziale. Vielleicht ist Dir schon einmal das sogenannte ‚Gesetz der Gegensätze‘ begegnet. Ich stieß eines Tages durch Neale Donald Walsch darauf, dem Autor von Gespräche mit Gott*, einem wichtigen Werk aus der spirituellen Szene. Dieses Gesetz der Gegensätze handelt davon, dass wir, um einen Zielzustand zu erfahren, uns unbewusst zunächst in einen entgegengesetzten Zustand begeben. Nur so wird anschließend der Zielzustand überhaupt wahrnehmbar. Wenn Du Dein Leben mit dieser Perspektive betrachtest, bemerkst Du vielleicht, dass einiges von dem, was Dir momentan sehr unangenehm ist oder einst unangenehm war, sich nur als ein Durchgangsstadium zeigt auf dem Weg zu einer angestrebten Erfahrung.

Erst aus dem subjektiv empfundenen Mangel entsteht der Wunsch nach Veränderung.

Die Handlung: Suche Gegensätze. Unternehme Polarreisen.

Die intensivste Erfahrung erlebst Du dadurch, dass Du große Gegensätzlichkeiten durchwanderst. Lote das gesamte Spektrum Deiner Realität aus und erweitere es dadurch. Unternehme Polarreisen: Oszilliere zwischen Askese und Überfluss. Führe einen Reizentzug herbei um anschließend den Reizüberfluss intensiver und heftiger zu erleben. Unsere Wahrnehmung beruht auf dem Vergleich. Wir nehmen stets die Relation wahr, nie etwas absolutes. Heiß nicht ohne vorher kalt und so weiter. Indem Du vorübergehend aktiv einen Mangelzustand durchläufst wirst Du anschließend den Überfluss tiefer und intensiver erfahren. Wann schmeckt Dir ein einfaches Glas Wasser wie ein göttlicher Trank?- dann, wenn Du kurz vor dem Verdursten bist. So kannst Du Dich in eine Art natürlichen Rauschzustand begeben. Zuerst der Reizentzug, dann der Reizüberfluss. Die Spannung und das Erleben der Polaritäten machen Dich lebendig. Deswegen strebe die Extreme an. So gewinnst Du Erfahrungsintensität. Stürze Dich in das Außergewöhnliche. Lasse es zu, dass diese Heftigkeit etwas mit Dir macht. Klopfe alle Lebensbereiche ab nach Möglichkeiten für solche Polarreisen.

Disclaimer: bleibe smart. Wenn Du noch nie Sport gemacht hast, dann laufe bitte nicht spontan einen Marathon. Das würde wohl mehr schaden als Nutzen bringen. Es reicht in diesem Falle, überhaupt für 15 bis 30 Minuten eine sportliche Aktivität zu betreiben. Bei neuen Sachen finde zunächst den Einstieg. Hier liegt das Extrem für Dich bereits in der Neuigkeit der Erfahrung. Hingegen bei Bereichen und Aktivitäten, die Du in Deinem Leben bereits etabliert hast, steigere Dich um ein Level. Erhöhe Deinen Standard kräftig und dann schaue, was passiert. Evaluiere Deine vorhandenen Polaritäten und erweitere sie anschließend in gesunden Ausmaßen.

Wenn Du es doch einmal übertreibst mit Deiner Polarreise, dann bleibe intuitiv und präsent. Du kennst sicher diese Momente, in denen Du spürst, dass Du bereit bist für dieses bislang völlig ungekannte – es sprengt alles vorher dagewesene in eine neue Dimension und Du weißt, dass das jetzt genau richtig ist. Wenn Du einem solchen Moment begegnest – Go for it. Das Leben ist zu kurz, Lebendigkeit ist zu kostbar, als dass Du in einem solchen Augenblicke die Handbremse nicht lösen solltest. Manchmal musst Du einfach springen und darauf vertrauen, dass Du wirst fliegen können. Sei präsent und bleibe in Kontakt mit Deiner Intuition. Konzentriere Dich ganz auf den Moment, koste ihn aus und entscheide jeden Schritt aus dem Augenblick heraus.

Beispiele zum Ausprobieren

Nach den abstrakten Ausführungen hier nun noch einige Beispiele für die praktische Umsetzung:

Verbringe einige Wochen oder Monate als Workaholic. Arbeite so viel wie Du kannst. Es darf weh tun. Du darfst schlecht drauf sein und gestresst und gereizt. Begebe Dich in Dein Extrem. Dorthin, wo Du Dich unsicher fühlst und fremd. Gehe an die Grenzen Deiner Belastbarkeit. Erlebe, was das mit Dir macht. Wie ist es, um zehn oder elf Uhr abends oder sogar noch später noch am Arbeitsplatz zu sein und zu wissen, dass es am nächsten Tag früh morgens wieder los geht? Welche Gedanken gehen Dir durch den Kopf? Was sind die kleinen Genussmomente, mit denen Du Dich in dieser harten Phase über Wasser hältst, kleine Fluchten in Deinem Alltag? Was ist Dir wichtig, was wünschst Du Dir?

Wenn diese Phase vorüber ist, nehme Dir eine Auszeit. Erhole Dich ganz aktiv. Verbringe Zeit an Orten, die Du liebst. Lasse Dich verwöhnen. Massagen, Sauna, Dein Lieblingsessen, Deine Lieblingsmusik und Deine Lieblingsfilme. Tauche richtig ein in das Vergnügen. Wie erlebst Du es nach der Zeit der völligen Verausgabung? Fühlt es sich vielleicht ein bisschen schwerelos an? Kannst Du es mehr genießen als sonst?

Mache eine Fastenkur. Verzichte auf bestimmte Nahrungsmittel, auf Schokolade, Koffein oder Alkohol oder gar auf alles, was nicht überlebensnotwendig ist. Spüre Deinen Körper auf neue Arten. Und erlebe, dass es funktioniert, dass Du klar kommst mit dem Mangelzustand; ohne die gewohnten Nahrungsmittel und Substanzen, die Du sonst täglich zu Dir nimmst. Was macht das mit Dir? Erlebst Du vielleicht eine mentale Klarheit? Bei vielen Menschen führt ein Nahrungsdefizit dazu, dass sie besser denken können, was auch immer das im Einzelfall bedeuten mag. Wie erlebst Du den Hunger? Ist es vielleicht sogar erleichternd, jetzt einfach zu verzichten anstatt Dich für eine Mahlzeit entscheiden zu müssen? Wenn die Fastenzeit vorbei ist, gönne Dir eine ordentliche Dosis von dem, was Du am liebsten zu Dir nehmen möchtest. Gönne Dir von Deinem Lieblingsessen so viel, wie Du möchtest. Trinke einen guten Kaffee oder ein gutes Glas Wein oder erfreue Dich einfach schon allein daran, mal wieder satt zu sein.

Je nachdem, ob Du intro- oder extravertiert bist, wirst Du in Deinem Leben die meiste Zeit entweder mit sehr vielen Menschen verbringen oder mit wenigen oder auf weiten Strecken das Alleinsein bevorzugen. Probiere die andere Seite des Spektrums aus. Wenn Du introvertiert bist, dann gehe zu Veranstaltungen und Vereinstreffen, bei denen Du vielen neuen Menschen begegnest. Nehme Einladungen an zu solchen Veranstaltungen. Besuche irgendwelche Zusammenkünfte. Gehe soweit aus Dir heraus, dass es Dich ein bisschen stresst und Dich nervös macht. So, dass Du es noch in Ordnung findest aber langsam wieder nach Hause möchtest. Dann verabschiede Dich und koste die Zeit für Dich aus. Wie hat es sich angefühlt, unter so vielen Menschen zu sein? War jemand dabei, den Du gerne näher kennen lernen möchtest? Gab es ein besonders interessantes und angenehmes Gespräch?
Wenn Du extravertiert bist, dann nehme Dir ein paar Tage ganz für Dich allein. Meditiere. Schreibe. Gehe spazieren. Welche Gedanken tauchen auf? Wie erlebst Du das Unwohlsein des Alleinseins? Erkennst Du vielleicht Möglichkeiten, wie Du diese Zeit sehr angenehm verbringen kannst? Gibt es vielleicht Lebensaspekte, die Dir alleine besonders viel Spaß machen und durch die Du Dir selbst näher kommen kannst? Anschließend genieße die Zeit in Gesellschaft, die soziale Energie, das Miteinander. Reite die Welle des ‚Social Vibings‘ und erlebe wieviel intensiver sie ist nach dem Entzug.

Wenn Du viel mit Smartphone und Internet zu tun hast, überhaupt Dein Leben zu großen Teilen an Bildschirmen verbringst, dann lasse die gesamte Elektronik für eine Weile ausgeschaltet. Entferne Dich von ihr. Anfangs hast Du noch den Drang, irgendwelche Benachrichtigungen zu prüfen. Doch das verflüchtigt sich. Genieße, wie die Statik nachlässt und Du innerlich ruhig wirst. Wenn Du magst gehe raus und spreche mit Menschen, die Du noch nicht kennst. Besuche neue Orte. Probiere irgendwelche Aktivitäten aus. Erlebe die Welt jenseits von Bildschirmen. Natur und Realität mit all ihren Sinneseindrücken. Involviere Deine fünf Sinne anstatt beschränkt zu sein auf das, was ein Gadget Dir bieten kann an Erfahrung.

Wenn Du noch eine Schritt weitergehen möchtest: Falle aus der Rolle. Was soll das heißen? Hier kommen wir im wahrsten Sinne in eine neue Dimension. Während Du Dich bei den bisherigen Beispielen wie zwischen zwei Punkten auf einer Geraden bewegest indem Du die beiden Polare des Spektrums erkundetest, kommst Du jetzt weg von der Geraden und hinein in völlig neue Bereiche. Probiere Sachen aus, die Dir sonst völlig fern liegen. Mache etwas, vom Du sagen würdest, dass es ja eigentlich überhaupt nicht zu Dir passt. Wenn Du ein zurückhaltender Charakter bist, dann gehe zu einer Improvisationstheatergruppe und schlüpfe in die Rolle eines Cholerikers. Wenn Du ein überzeugter Großstadtmensch bist ohne Draht zur Natur, dann verbringe ein Wochenende in einer Hütte im Wald. Es muss nicht so extrem sein. Du kannst Dir auch einfach mal eine Zeitschrift durchlesen zu einem Thema, mit dem Du Dich sonst nie beschäftigst. Entdecke neue Aspekte der Welt, werde vertraut mit neuen Gedanken und Perspektiven. Erweitere Deine Lebenswirklichkeit, vergrößere Deine Kapazität für Erfahrungen indem Du aktiv das Unbekannte suchst.

Schlussworte

Das beste Leben findet statt in den größten Extremen. Daher: Koste die gesamte Bandbreite Deiner Realität aus und gehe darüber hinaus. Suche das Extrem. Verlasse die sogenannte Komfort Zone. Begebe Dich in die große Unbekannte genannt ‚Leben’. Erweitere Deine Kapazität für Erfahrung indem Du Dich hineinstürzt in das Neue.

Viel Freude bei Deinen Polarreisen.

Bis zum nächsten Mal

Dein Lion

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Kommentare gerne an kontakt@lionlogert.com.

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