Es gibt kein Zurück

Nur ein Zurück in die Zukunft.

Verluste lösen bei uns anfänglich meist nichts als Widerstand aus. Wir wollen alles wieder so haben, wie es früher war. Das gilt für Verluste aller Art: Geliebte Menschen. Wohnorte. Jobs. Gesundheit. Wer konfrontiert ist mit dem Tod eines Angehörigen oder mit einer schweren Krankheit oder wer sich beruflich neu orientieren muss, der trauert dem nach, was war. Schädlich ist das per se nicht. Ein völlig menschliche Reaktion. Das Gewohnte verabschieden – das braucht seine Zeit. Die darf und sollte man sich nehmen.

Doch es kommt der Punkt, an dem man nach vorne schauen muss. Weil es nie wieder genau so wird wie früher. Wer das nicht begreift, der nimmt sich  gefangen in der Vergangenheit. Alles befindet sich ständig im Wandel. Veränderung ist die einzige Konstante im Leben. Panta rhei nannten das die Philosophen der griechischen Antike. Alles fließt.

Dieses Prinzip intellektuell zu verstehen, das ist das eine. Bringt aber noch nicht weiter. Die Gedanken haben ihre lieben Schwierigkeiten, dem Herzen zu diktieren, was es fühlen soll.

Eine mögliche Antwort: Fragen. Fragen lenken die Aufmerksamkeit. Mit gezielten Fragen gelangt man wieder an das Steuer des Lebensbusses. Was für Fragen? Einige Beispiel folgend:

Welche Chance steckt in diesem Verlust?

Nicht im geringsten zynisch gemeint. Am Anfang kann es schwer fallen, sich mit dieser Frage zu beschäftigen. Versuche es bei Zeiten, wenn Du den Sinn dafür hast. Welche Ideen entstehen? Auf chinesisch ist das Wort ‚Krise‘ gleichbedeutend wie ‚Chance‘. Das Leben besteht aus Abschieden und Neuanfängen. Ein Verlust läutet eine Übergangsphase ein. Was kommt danach? Welche Türen öffnen sich jetzt? Welche neuen Lebensinhalte erscheinen? Reflektiere auf diese Fragen. Schreibe oder spreche mit jemandem darüber. Durchlaufe den Prozess von Abschied und Neuanfang proaktiv. Schließe ab mit dem, was war. Und fange neu an.

Wie wird das Verlorene mich weiter begleiten?

Das Vergangene wird weiter in Deiner Welt existieren. In Reliquien, Bildern, Erinnerungen, Ideen, Stimmungen. Welche Hinterlassenschaften bleiben Dir und welche Bedeutung entfalten sie für Dich? Was hast Du gelernt, welche Lektionen nimmst Du mit auf Deinen Weg? Wie hat Dich das Verlorene verändert, wie wird es durch Dich weiterleben? Werde Dir bewusst darüber, dass es präsent bleibt und immer ein Teil Deiner Biographie sein wird. Sei dankbar für die Erfahrung. Trage sie mit Würde auf Deiner weiteren Lebensreise im Gepäck.

Was ist die stärkste Reaktion auf diese Situation?

Wenn man gerade durch eine steile Abwärtsspirale saust, dann klingt diese Frage wie die Aufforderung ‘bitte wenden’ bei Tempo 200. Sie ist nicht nur kontra-intuitiv. Für einen Trauernden ist sie schlicht surreal; außerhalb seiner wahrnehmbaren Realität. Bereits oben erwähnt: man darf und sollte sich Zeit nehmen, um Verluste zu verarbeiten. Sonst häufen sich die Leichen im Keller irgendwann bis zum ersten Obergeschoss.

Woran man erkennt, dass man bereit für die Frage ist: sie löst keine weiteren Schmerzen aus. Befremdlich darf sie aber bleiben. Sie soll schließlich einen Prozess anstoßen, der in neue Richtungen führt. Dabei wird es eben auch mal holprig. Sobald Du Dich darauf einlässt, kann sie Dir das Licht am Ende des Tunnels zeigen, Dir neue Wege weisen. Du stößt auf neue Kraft, Energie und Kreativität. Neue Lebensinhalte wollen erschlossen werden. Auf diese Weise findest Du sie.


Hast Du Fragen, Kommentare oder Anregungen? Oder bist Du interessiert an einem Privatcoaching, in dem wir darüber sprechen, wie Du neu durchstartest? Melde Dich unter: kontakt@lionlogert.com