Der Wert Einer Million

Wie bezahlst Du?

Währungen, Geld und Nicht-Geld.

Vor einigen Jahren hatten wir uns zu Weihnachten eine hochwertige Kompaktanlage eines äußerst bekannten Herstellers geschenkt. Anfangs lief das Gerät ganz ausgezeichnet. Raumfüllender Klang, satter Bass und saubere Höhen aus solch einem kleinen Maschinchen. Dazu die handliche Fernbedienung. Wir waren begeistert. Doch die Freude währte nicht lange. Die Bluetooth Verbindung brach immer wieder ab. Geräusche aus dem CD-Laufwerk übertönten die Musik. Wir tauschten die Anlage mehrfach aus. Schließlich wollten wir sie nicht mehr und erklärten dem Verkäufer den Rücktritt. Da nahm das Drama seinen Lauf. Es folgten zähe Verhandlungen. Am Ende musste eine Mediatorin ans Werk. Die Geschichte zog sich über sage und schreibe sechs Monate.

Als ich eines Tages im Onlinebanking die Rücküberweisung vom Verkäufer erblickte, wollte ich es erst gar nicht glauben. Aber sie war angekommen. Im zweiten Moment fiel mir auf, dass dem Betrag doch noch etwas fehlte: Versandkosten und Verzugszinsen waren nicht enthalten. Im Vergleich zum Kaufpreis eine geringe Summe. Aber immerhin knapp 30 €. Prinzipienstreit ja oder nein? Die Versuchung war groß.

Warum ich es am Ende auf sich beruhen ließ?

Weil es andere Währungen gibt als Geld:

1. Währung: Zeit

Monetäre Verluste lassen sich ausgleichen. Doch keine einzige Sekunde kommt je zurück. Lohnt es sich wirklich, den Brief als Kurier in eigener Sache durch die halbe Stadt zu tragen, um 70 Cent Porto zu sparen? Und die Pfandflasche kannst Du vielleicht einfach neben einem Mülleimer stehen lassen, anstatt Dich für 25 Cent mit dem Automaten im Supermarkt zu ärgern. Der ist wahrscheinlich eh wieder voll oder Deine Flasche passt ihm heute nicht. Ganz gleich, um welche Beträge es sich handelt – entscheide, ob sich der Zeitverlust für Dich rentiert. Im Zweifel mach’ lieber was schönes.

In der Geschichte mit der Musikanlage entschied ich mich gegen das Geld und für den Zeitgewinn. Es hätte sich für 30 Euro nicht gelohnt, weitere Schriftwechsel und Telefonate zu veranstalten. Ein Handvoll Stunden wären draufgegangen. Umgerechnet ein mickriger Lohn. Und nicht nur das: mir hätte zudem diese Zeit gefehlt, in der ich mich stattdessen anderen Lebensinhalten widmete. Menschen, Dinge, Aktivitäten, die ich liebe, mit denen ich mich gerne beschäftige, die mich weiterbringen.

Eine einfach anwendbare Regel: Wenn etwas einen Verlust von maximal X Euro auslösen kann, dann kümmere ich mich nicht darum. Lege für ‚X‘ den Maßstab fest, der für Dich passt. Kaufe Zeit.

2. Währung: Aufmerksamkeit a.k.a. Seelenfrieden

Oben geschilderter Streit um die Musikanlage zog sich über sechs Monate. Zwar nur ein Nebenkriegsschauplatz. Hintergründig dennoch ständig vorhanden als ein unangenehmes Rauschen. Denn wir beschäftigten uns immer wieder damit. Unterhielten uns über den Verlauf. Warteten auf Rückmeldungen. Überlegten weitere Schritte. Es war ein pain in the ass. Über den gesamten Zeitraum ging ein Teil meiner Aufmerksamkeit in diese Geschichte. Das als zermürbend zu bezeichnen, das wäre überzogen. Aber genervt, das hat es.

Für 30 Euro weitere Aufmerksamkeit investieren? Eine magere Ausbeute. Geschenkt!

Wohin Du Aufmerksamkeit lenken solltest? Klingt nach Klischee, aber: folge der Liebe. Widme Dich dem, was Dich glücklich macht und weiterbringt. Kenne Deine Prioritäten, Dein Lieblingsleben. Schenke ihnen Deine Aufmerksamkeit. Soweit die eine Seite der Medaille. Die andere: Verbeiße Dich nicht in Kleinkriegen; wenn Du Dich doch mal dabei erwischst, trete einen Schritt zurück und reflektiere – lohnt es sich, hier weiter zu kämpfen? Wenn möglich, löse Dich davon. Tue es für Deinen Seelenfrieden. Lasse die mentalen Zecken fallen und schaffe Raum.


Hast Du Fragen oder Anregungen, hast eine Idee für weitere ‚Währungen‘? Oder hast Du Interesse an einem kostenlosen Privat-Coaching? Dann melde Dich gerne bei kontakt@lionlogert.com.

Ich freue mich, Dich kennen zu lernen.

Bis zum nächsten Mal

Dein Lion