Was die Beatles und Bill Gates vielleicht falsch gemacht haben

Von wahren Meistern

Wenn Du diesen Blog liest, bist Du möglicherweise schon sehr gut vertraut mit der sogenannten 10.000 Stunden Regel: In Malcom Gladwell’s Outliers erfahren wir, wie Meister ihres jeweiligen Fachs Meister geworden sind durch extensive Übung. Nach 10.000 Stunden Praxis kann man demnach eine Tätigkeit auf professionellem Level betreiben. Das sind drei Stunden täglich über zehn Jahre. Der Text nennt prominente Beispiele wie Bill Gates und die Beatles.

Übung ist essentiell. Über viele Stunden. In manchen Fällen über 10.000. Manchmal sogar mehr.

Aber: Übung ist nicht gleich Übung.

In Cal Newport’s So Good They Can’t Ignore You finden wir eine darüber hinausgehende Weisheit. Er spricht von ‚deliberate practice‘. Übersetzt in etwa wohldurchdachte/überlegte Übung. Was verbirgt sich dahinter? Eine auf den ersten Blick beinah profan anmutende Erkenntnis: Du wirst nicht automatisch besser, indem Du etwas ohne Sinn und Verstand immer und immer wieder tust. Anfangs mag das zwar noch funktionieren. Je komplexer die Tätigkeit jedoch ist, desto schneller wird Deine Lernkurve abflachen.

Was ist an überlegter Übung anders? Sie fordert von Dir, dass Du Deine Komfort Zone verlässt und Deine Übung so gestaltest, dass sie Dich weiterbringt.

Im folgenden drei Beispiele, wie Du zur überlegter (und vielleicht überlegener) Übung gelangst.

1. Probiere Sachen, die Du noch nicht kannst

Einfache Beispiele finden sich bei künstlerischen Aktivitäten. Du malst, tanzt oder machst Musik? Du kannst 10.000 Stunden die gleichen Bilder malen, Tanzschritte vollführen und Lieder klimpern. Wird es Dich weiter bringen? Wohl kaum. Fordere Dich heraus. Übe einen neuen Tanz. Am besten einen, der Dir bisher nie gelungen ist. Teste Dich an neuen Pinselstrichen oder Motiven. Spiele oder singe neue Lieder oder alte Lieder schneller.

Weißt Du, warum Videospiele süchtig machen? Sie fordern Dich immer ein bisschen über dasjenige hinaus, was Du bisher kannst. Du erlebst Wachstum. Videospiele verführen Dich in Deinen ‚Flow-Channel‘ (Mehr dazu im Buch: ‚Flow‘). Dieser entsteht bei etwa 4 % Überforderung. Genau das kann Dir durch überlegte Übung gelingen.

2. Bilde Dich weiter in Deinem Fach

Der Mensch gerät leicht in die ausgetretene Spur der gemütlichen Gewohnheiten. Das hat seine Vorteile, ist evolutionär betrachtet sogar sehr wichtig. Aber es verhindert Wachstum. Gerade wenn Du autodidaktisch unterwegs bist oder aber aus anderen Gründen von Außen keine neuen Anforderungen an Dich gestellt werden, kann es leicht passieren, dass Du in Deinem stillen Kämmerchen Dein Süppchen brodelst und über kurz oder lang im eigenen Sud schmorst.

Deswegen: Erweitere Deine Horizonte, wage Dich ins unbekannte Terrain. Lese Bücher, schaue Lehrvideos, besuche Seminare und Kongresse. Lasse Dich von Außen inspirieren und erfahre, was alles möglich ist in Deiner Kunst, in Deiner Meisterschaft. Eine Gefahr besteht: Sobald Du das ganze Ausmaß der Möglichkeiten erlebst, fühlst Du Dich vielleicht sehr klein in Deinen vergleichsweise bescheidenen Bemühungen. Wenn Dir klar wird, was Du alles können könntest, wird Dir ebenso bewusst, was Du alles noch nicht kannst. Vielleicht ist das für Dich ein Grund, es gar nicht erst zu versuchen. Das wäre schade. Lasse Dich von der Größe des Möglichen inspirieren. Nehme sie zum Anlass für neue Experimente. Entdecke neue Facetten Deiner Kunst. Konzentriere Dich auf Deinen eigenen Fortschritt.

3. Nehme professionelle Beratung in Anspruch

Spitzensportler haben Coaches. Wozu? Weil der Coach haargenau weiß, wie der Sport funktioniert und wie der menschliche Körper und Geist am besten zu trainieren sind. Er deckt Problemfelder (Potentiale) auf und entwickelt gemeinsam mit dem Coachee Strategien, um vorhandene Potentiale auszuschöpfen. Sodann begleitet er bei der Ausführung der Strategie. Der Coach gibt konkrete Anweisungen mit der Präzision eines Scharfschützen. Ebenso geschieht es bei Musikern, Unternehmern und und und. Beratung auf professioneller Ebene hält die Lernkurve steil und ermöglicht überlegte Übung.

Du kannst Dir jemanden aussuchen, der Dein Ziel bereits erreicht hat oder anders in Deinem Metier erfolgreich ist und mit dieser Person in Kontakt treten. Besuche deren Seminar. Schreibe eine Email mit einer gut durchdachten Frage, die auch für Deine Zielperson interessant sein könnte. Sei kreativ und baue eine Beziehung auf.


Wie möchtest Du in den nächsten Tagen überlegte Übung für Deinen Fortschritt einsetzen? Welches Vorbild könntest Du kontaktieren? Welche Neue Herausforderung könntest Du testen? Teile es mir gerne mit per Kommentar unter diesem Beitrag oder per Mail an kontakt@lionlogert.com

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Bis zum nächsten Mal

Dein Lion

8 Antworten zu “Was die Beatles und Bill Gates vielleicht falsch gemacht haben”

    1. Hi Hendrik, danke für Deinen Kommentar!
      Deep Work ist genial, habe es damals verschlungen und schaue immer mal wieder hinein. Gerade heutzutage mit epidemisch ultra-kurzen Aufmerksamkeitsspannen ein äußerst wichtiges Werk. Wie hast Du die Inputs daraus umgesetzt?

      Lieber Gruß
      Lion

      1. Hello again,

        zu Studienzeiten war das für mich vor allem eine Frage von «Routine rein bringen». Zweitens drauf zu achten, dass das Energie-Level stimmt. Drittens von täglichen Zielen. Damit bin ich gut gefahren.

        Heute merke ich vor allem den Wert der Auszeiten. Vollzeitjob und Nachwuchs! Nebenbei noch zu schreiben klappt vor allem morgens und abends.

        Ich werde mir «The 4 Disciplines of Execution» geben.

        Was hast du draus mit genommen?

        1. Hey 🙂

          Danke für den Input! Und Hut ab, neben Familie und Beruf noch die Zeit frei zu schaufeln für ernsthaftes und regelmäßiges Schreiben! Kennst Du ‚The War of Art‘ von Steven Pressfield? Eines meiner Lieblingswerke zum Thema kreativen Tätigseins.

          Meine wichtigsten Veränderungen waren die 1. radikale Reduktion der Zeit am Smartphone (heute auf weiten Strecken im Flugzeugmodus), 2. etwas wie selektive Ignoranz (Wort von Tim Ferriss geklaut. In erster Linie geht es darum, wenig bis keine irrelevanten Nachrichten zu konsumieren) und 3. ähnlich wie bei Dir heute die Konzentration auf Schlüsselzeiten im Tag.

          Würdest Du noch etwas zu Deinem letztgenannten Buchtip verraten? Würde mich interessieren.

          Lieber Gruß
          Lion

          1. Hi Lion,

            die selektive Ignoranz habe ich mir auch angeeignet. Habe das Gefühl mann kann heute ohne kaum überleben.

            The 4 Disciplines of Execution werden in Deep Work erwähnt als Rahmung für die Umsetzung eines Ziels.

            1) Focus on the wildly important goals: Statt verzetteln, Kräfte konzentrieren – was wichtig wird, wenn man neben dem alltäglichen „Wirbelwind“ von Anforderungen etwas ändern will.

            2) Act on the lead measures: Es wird zwischen «lag und lead measures» unterschieden. Unser Gewicht können wir nicht direkt beeinflussen. Ob wir Sport machen oder in ein Kaloriendefizit gehen schon. Eine bestimmte Diät einzuhalten größtenteils auch. Letztere sind Handlungen und Maße, die die Nadel in Bewegung bringen können.

            3) Keep a compelling scoreboard: Kann ich mir eine Art Feedback-System schaffen, das mir direkt zeigt, ob ich auf dem richtigen Weg bin? Vielleicht eine Art Checkliste, «Ticksheet»? Kreuze im Kalender? Kalorienübersicht per App?

            4) Create a cadence of accountability: Regelmäßige Reviews helfen dann zu prüfen was funktioniert und was die nächsten Schritte sind.

            The War of Art habe ich gelesen. Wenn du auf meiner Seite nach „der Widerstand“ oder „The greatest hits“ suchst findest zwei Artikel 🙂

            Beste Grüße
            Hendrik

          2. Hi! 🙂

            Danke für die Übersicht. Jetzt erinnere ich mich auch wieder, aber diese komprimierte Zusammenstellung war mir tatsächlich
            so nicht präsent.

            Deinen Artikel-Vorschlägen werde ich bei Gelegenheit nachgehen 🙂

            Lass uns alsbald sprechen.

            Lieber Gruß
            Lion

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