Darf ich vorstellen: Effektivität

Geschätzte Lesedauer: 4 Minuten

Bist Du noch beschäftigt oder schaffst Du schon?

Das Wort ‚Effektivität‘ stammt von dem Lateinischen ‚effectivus = bewirkend. Effektiv zu sein bedeutet, Resultate zu erzielen, die einem angestrebten Ziel möglichst nahe kommen. Im Gegensatz zur Effizienz geht es bei der Effektivität nicht darum, möglichst wenig Aufwand einbringen zu müssen. Effektivität handelt davon, was Du machst. Effizienz handelt davon,wie Du etwas machst. Effektiv bist Du, wenn Du das richtige machst; effizient bist Du, wenn Du das, was Du machst, richtig machst. Eine kleine Metapher: Effizient bist Du, wenn Du sehr schnell eine Leiter hoch steigen kannst; effektiv bist Du, wenn die Leiter an der richtigen Wand steht.

Es wird deutlich: Effizienz ohne Effektivität bringt nichts. Effektivität ohne Effizienz hingegen ist zwar nicht optimal, aber man kommt voran. Wer nur effizient ist, aber dabei nicht effektiv, der rennt wie ein Hund aus einem Trickfilm auf der Stelle ohne sich zu bewegen. So jemand ist zwar sehr beschäftigt und verbraucht viel Energie, ist dabei aber nicht produktiv. Er erzeugt keine Resultate.

Effektiv zu sein bedeutet, das zu tun, was den Unterschied macht.

Wie kannst Du Deine Effektivität steigern? In diesem Text stelle ich Dir vier Techniken vor, die Dir künftig sehr einfach ein Mehr an Effektivität verschaffen:

1. Nutze die 80/20 Regel (auch bekannt als Paretoprinzip).

Diese erste Technik ist schnell erklärt: 20 % Deiner Aktivitäten bewirken 80 % Deiner Resultate. 80 % der Aktivitäten bewirken 20 % der Resultate. Kenne die zwanzig Prozent, die die achtzig Prozent bewirken. Konzentriere Dich darauf. Untersuche Deine Handlungsprozesse dahingehend. Nehme Dir die Zeit für diese Analyse.

Du kannst die 80/20 Regel auf weitere Lebensbereiche anwenden. Beispielsweise auf die Verhältnisse Kunden/Einkommen, Freunde/Lebensqualität, Freizeitaktivität/Regenerations-Wirkung. Reflektiere und verschaffe Dir Klarheit darüber, wie Du die 80/20 Regel für Dich optimal einsetzen kannst.

2. Folge Deiner Angst.

Es ist äußerst verführerisch, Dich mit Beschäftigungen aufzuhalten, die Dich zwar in der Tat beschäftigen, die Dich aber nicht oder nur minimal voran bringen. Weil Du be-schäft-igt bist, hast Du das Gefühl, etwas zu schaffen. Weit gefehlt. Diese Beschäftigungen lenken Dich von der Aktivität ab, die Dich auf Dein nächstes Level katapultieren könnte. Denn diese Aktivität würde Überwindung kosten. Stattdessen lässt Du Dich dazu hinreißen, zwanzigmal Deine Postfächer zu prüfen, Dokumente zu Tode zu formatieren, schlimmstenfalls aufzuräumen oder zu putzen. Daher übe Deinen Effektivitäts-Muskel: Tue jeden Tag etwas, wovor Du Dich fürchtest. Ängste zeigen Dir den Weg. Ein Arzt drückt zum Zwecke der Diagnose dort, wo es schmerzt. Deine Angst weist Dich darauf hin, wo der Hund begraben liegt. Sie lässt ersehen, dass das, wovor Du Angst hast, Dir viel bedeutet. Indem Du Dich Deiner Angst stellst, wirst Du Fortschritte verzeichnen. Entwickle ein gesundes Verhältnis zu Deiner Angst. Verstehe sie als einen Indikator, als Wegweiser für möglichen Fortschritt. Jede Angst deutet auf ein Entwicklungspotential hin.

Was das mit Effektivität zu tun hat?

Wenn Du durch Deine Angst manövrierst, passiert dabei sehr viel. Erinnere Dich an die Momente in Deinem Leben, in denen Du Dich überwinden musstest. Du musstest Dich überwinden, weil Du durch Dein Handeln viel verändert hast: Du musstest den Status Quo zerschmettern und gegen einen neuen ersetzen. All Deine Systeme schlugen Alarm. Dein Gehirn mag Veränderungen nicht. Es wehrt sich dagegen. Es ist nur am Überleben interessiert, nicht an Verbesserung; ihm sind Deine Ziele völlig gleich. Es klammert fest an dem, was es kennt und als überlebensfähig eingeordnet hat. Jede Veränderung ist eine Bedrohung. Effektiv zu sein bedeutet in der Regel, Veränderungen zu bewirken. Daher regen sich gegen die effektivste Handlung häufig Widerstände, hinter denen sich eine Angst verbirgt.

Wenn Du effektiv bist, dann verändert sich Dein Leben nicht um 10 % sondern um das 10-fache. Du gelangst in radikal andere Lebenswirklichkeiten. Das kann schwindelerregend sein. Mehr dazu gleich.

3. Trete einen Schritt zurück und gewinne den Überblick.

Die dritte Technik handelt vom gesunden Abstand. Wenn Du den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehen kannst wirst Du auch nicht mehr effektiv handeln. Die Gefahr der sinnlosen Be-schäft-igung lauert im Dschungel der nicht enden wollenden Aufgabenlisten. Hierbei kannst Du Deine gesamte Kraft verbrauchen ohne jegliche Resultate hervorzubringen. Ähnlich wie der Trickfilmhund bewegst Du Dich nicht von der Stelle oder nur im Kreis, wenn Du Dich im Wald Deiner To-Do Listen verlaufen hast.

Daher: trete regelmäßig einen Schritt zurück. Begebe Dich in einen Wochenendrückzug. In Folge #355 der Tim Ferriss Show erzählt Greg McKeown, der Autor von ‚Essentialism‘* davon, bei so einem Retreat nicht eimal das Telefon sondern nur noch ein Ersatzgerät für Notfälle mitzunehmen, im Endeffekt also für die Außenwelt nicht mehr erreichbar zu sein. Verschaffe Dir stets wieder den Blick für das große Ganze. Was sind Deine Orientierungspunkte? Was strebst Du langfristig an, in welche Richtung möchtest Du Dich bewegen? Reflektiere wöchentlich oder monatlich oder quartalsweise darüber, ob Deine aktuellen Handlungsstrategien im Einklang stehen mit Deinen Intentionen und Zielen. Führe eine Kurskorrektur durch, wenn nötig. Es ist zwar Teil des Spiels, hier und da vom Pfad abzukommen. Achte aber darauf, immer wieder zurückzukehren.

4. Stelle Dir die Fokus-Frage.

Stelle Dir regelmäßig diese Fokus-Frage: Was ist die eine Handlung, die jetzt alles andere leichter oder unwichtig macht? Sei offen für ungewöhnliche Antworten. Bisweilen erkennst Du einen übergeordneten Schritt, der alle anderen Aufgaben eliminiert. So kann es beispielsweise sein, dass Du mittlerweile soviel Einkommen generierst, dass Du bestimmte Teile Deines Unternehmens delegieren und dadurch Raum schaffen kannst für Tätigkeiten, die Dir mehr Spaß machen und/oder noch mehr Einkommen generieren. Hör auf mit dem kleinteiligen Gedöns. Du brauchst keine 653 Mails zu beantworten. Dafür gibt es ‚Virtual Assistants’.

Die Fokus-Frage zwingt Dich dazu, Dich auf das Wesentliche zu konzentrieren und möglicherweise auch dazu, einsehen zu müssen, dass es Punkte auf Deiner Aufgabenliste gibt, die Dich zwar beschäftigen, aber nicht weiterbringen.

Sei hier ehrlich zu Dir. Lasse die Hosen vor Dir selbst herunter. Welchen Tätigkeiten gehst Du aus Gewohnheit nach, weil sie Dich beschäftigt halten? Tue Dir den Gefallen und mache lieber das, wodurch Du wirklich etwas schaffst.

Zum Schluss

Bislang nur angedeutet, hier nochmal ganz explizit: Das Schwierige an hoher Effektivität ist, dass sie Dich bisweilen aus Deinen Gewohnheiten herausreißen wird. Es ist nicht immer nur leicht und angenehm, effektiver zu werden. Es geht plötzlich nicht mehr um 10% sondern um 10X. Dann ändert sich plötzlich sehr viel. Die Lebenswirklichkeit wandelt sich radikal, wenn Du statt 30.000 EUR jetzt auf einmal 300.000 EUR im Jahr verdienst. Wie geht Dein Umfeld damit um? Wie investierst Du? Wie reagierst Du auf Anfragen und Einladungen, die Dir jetzt ständig ins Haus flattern? Auch positive Veränderung hat ihre Schattenseiten. Nicht effektiv zu sein ist Teil Deiner Komfortzone, so abstrus das klingen mag.

Deswegen ein Extratip an dieser Stelle: werde Dir vorab darüber bewusst, welche Schwierigkeiten Dir begegnen werden, sobald Du überragend effektiv bist. Dadurch kannst Du Probleme im Ursprung lösen, Zielkonflikte ausräumen, inneren Kämpfe vermeiden und einsgerichteter voranschreiten.

Bis zum nächsten Mal

Dein Lion

Kommentare gerne an kontakt@lionlogert.com.


Literatur:

Steven Covey – Die sieben Wege zur Effektivität*

Gary Keller & Jay Papasan – The One Thing*

*Affiliate Link