Chinesische Gehirnwäsche für Deinen Erfolg (2)

Teil 2/2: Beständigkeit und Widerspruchsfreiheit

Vorliegende Artikelserie handelt davon, wie Techniken der chinesischen Gehirnwäsche, die im Koreakrieg 1950-1953 an amerikanischen Gefangenen angewendet wurden, für den persönlichen Fortschritt fruchtbar zu machen sind.

Aus der Einführung zu Teil 1:

>> Der Titel beinhaltet das negativ aufgeladene Wort ‚Gehirnwäsche‘. Vorab sei daher erwähnt: Der Leser ist dazu eingeladen, seine nicht völlig moralisch einwandfreien Assoziationen mit den Begriffen ‚Gehirnwäsche‘ und ‚Manipulation’ für die Dauer dieses Textes hinten anzustellen, sich auf die Lektüre einzulassen und auf diese Weise vielleicht zu der Erkenntnis zu gelangen, dass Gehirnwäsche ebenso wie Manipulation stets danach zu bewerten sind, mit welcher Intention sie erfolgen. Andererseits darf derjenige Leser, dessen moralisch nicht einwandfreien Assoziationen ihn dazu verführt haben, hierher zu kommen, sich gerne weiter führen lassen und das ‚Gute‘ im ‚Schlechten‘ für sich entdecken.

Chinesische Gehirnwäsche

In den Jahren 1950-1953 befanden sich amerikanische Soldaten im Rahmen des Koreakriegs in chinesischer Gefangenschaft. Was dort vor sich ging, ist aus psychologischer Sicht hoch interessant und dient in diesem Artikel als Fallbeispiel für die Anwendung von Manipulation und Gehirnwäsche zu Zwecken des persönlichen Fortschritts. Hierfür sind zunächst die Vorgänge in den Gefangenenlagern zu skizzieren, um an diesen die eingesetzten Methoden aufzuzeigen. Anschließend gibt der Text Anwendungsbeispiele für den individuellen Einsatz.

Wie funktionierte die chinesische Gehirnwäsche?

Die Chinesen folterten die Amerikaner nicht. Sie beleidigten sie nicht einmal. Sie gingen mit ihnen auf eine Art und Weise um, die sie sicher nicht erwartet hatten: Sie behandelten sie wie Menschen. Sie boten ihnen Kaffee und Zigaretten an und unterhielten sich mit ihnen beinahe freundschaftlich. Die Szenerie mutete kuschelig an im Vergleich zu dem, worauf man als Kriegsgefangener mental eingestellt war. Die Gehirnwäsche begann langsam und unauffällig. Man unterhielt sich miteinander und die Chinesen stellten viele Fragen. Sie wollten die Amerikaner schließlich kennen lernen. Das war alles. So schien es jedenfalls. Sie fragten die gefangenen Amerikaner nach deren Ansichten zum amerikanischen Politiksystem. Sie fragten nach Kritikpunkten am Politiksystem. Man interessiere sich einfach dafür. Irgendetwas gab es doch bestimmt, das nicht völlig perfekt war? Die gefangenen Amerikaner, kooperativ gestimmt gegenüber den Feinden wegen der humanen Art des Umgangs, ließen sich überreden. Das Prozedere erschien harmlos. Es war nicht viel dabei, kleine Kritikpunkte am eigenen System zu offenbaren. Diese waren – wie in jedem System – tatsächlich vorhanden. Man hatte zwar ein unterschwellig ungutes Gefühl in der Magengegend, insgesamt erschien die Angelegenheit aber ausreichend unverfänglich. So benannten sie im mündlichen Gespräch ihre kritischen Ansichten. Salami Scheibe Nummer eins. Als nächstes baten die Chinesen sie darum, eine Liste zu erstellen von diesen Schwachpunkten. Man interessiere sich einfach dafür. Es gehe um nichts weiter, nur darum, sich besser kennen zu lernen. Die Amerikaner ließen sich darauf ein. Die Chinesen waren ja auch so nett zu ihnen. Salami Scheibe Nummer zwei. Im nächsten Schritt baten die Chinesen die Amerikaner darum, einen unterschriebenen Aufsatz zu formulieren von den in der Liste genannten Schwachpunkten des amerikanischen Systems. An sich eine jetzt durchaus kühne Forderung. Die Amerikaner waren allerdings bereits in das Fahrwasser geraten, das die Chinesen hier bereitet hatten. Scheibe Nummer drei. Zuletzt verlasen die Chinesen die Aufsätze per Lautsprecher im Gefangenenlager unter Angabe des jeweiligen Autors. Die Verfasser der Texte sahen sich nun in einer verzwickten Lage. Sie konnten nicht leugnen, was sie dort geschrieben hatten. Das einst hadernd gedachte Gedankengut hatte die gefürchtete schwarz-weiße Realität der Schriftform angenommen. Sie hatten sich bis zu diesem Zeitpunkt bereits so intensiv mit den Schwächen des amerikanischen Systems auseinandergesetzt, sich so sehr auf dessen wunde Punkte fokussiert, dass sie vielfach tatsächlich davon überzeugt waren, es sei weitgehend oder sogar überwiegend defizitär. Die Gehirnwäsche hatte gefruchtet. Schließlich mussten sie sich im Moment der Verlesung vor den anderen Häftlingen rechtfertigen. Sie wurden angefeindet und als Kollaborateure angeprangert, weil sie solch regime-kritische Aussagen getätigt hatten. In der Position, sich gegen diese Attacken zu verteidigen, verhärteten sich ihre kritischen Ansichten noch weiter.

Soviel zur Geschichte der chinesischen Gehirnwäsche. <<

 

In Teil 1 der Serie ging es um die sogenannte ‚Salami-Taktik‘, unter diesem Link nachzulesen.

 

Dieser Teil 2 befasst sich mit dem Gesetz von Beständigkeit und Widerspruchsfreiheit:

Dem Menschen zueigen ist das natürliche Bedürfnis nach einem Maß an Gleichförmigkeit. Erhalt des Status Quo. Sicherheit. Wir sind Gewohnheitstiere. Das menschliche Gehirn ist evolutionsbiologisch darauf programmiert, an dem bestehenden Zustand festzuhalten. Diesen hat es als überlebensfähig klassifiziert und Überleben ist alles, worauf es ihm ankommt. Bisweilen blockiert der Mechanismus den Menschen, indem er ihn von nützlichen Veränderungen abhält. Aber es existieren Möglichkeiten, das inhärente Sicherheitsbedürfnis für den persönlichen Fortschritt fruchtbar zu machen, den Reflex gegen sich selbst zu wenden. Darum wird es in diesem Text gehen.

Wie hat diese Technik im Rahmen der chinesischen Gehirnwäsche im Koreakrieg stattgefunden?

Zunächst fanden sich die Kriegsgefangenen in einer Szenerie wieder, die ihrem gewohnten Status Quo massiv zuwider lief. Kriegsgefangenschaft ist wohl für niemanden ein Teil der Komfort Zone. Allerdings sorgten die Chinesen dafür, dass die Amerikaner sich zumindest einigermaßen wohl fühlten. Sie behandelten sie vordergründig höflich und entgegenkommend. Sie schufen eine Umgebung, die bei den Gefangenen das Interesse erweckte, diese zu sichern. Dadurch stimmten sie sie gefügig. Im weiteren Verlauf brachten sie die Gefangenen dazu, sich intensiv mit den Schwachstellen des amerikanischen Politiksystems zu befassen und ließen sie einen unterschriebenen Aufsatz dazu formulieren. Dieser wurde zum Schluss über Lautsprecher im Lager verlesen, unter Angabe des Verfassers. Der Akt des Aufschreiben bewirkt eine Identifikation. Ähnlich wie bei schriftlichen Aufgabenlisten entsteht eine intensivere Verbindlichkeit als bei nur gedanklichen Betätigungen. Im Moment der öffentlichen Verlesung fühlt der Verfasser sich gezwungen, die Inhalte des Textes zu verteidigen und zu rechtfertigen. Er kann seine Urheberschaft nicht leugnen und im vorliegenden Beispiel auch nicht glaubhaft einwenden, dass er den Text unter Zwang verfasst habe. Sein Bedürfnis nach Widerspruchsfreiheit bringt ihn dazu, die niedergeschriebenen Inhalte als wahr anzunehmen; andernfalls geriete er in kognitive Dissonanz.

Persönliche Anwendung der Methoden

Im abschließenden Teil des Textes sind einige praktisch umsetzbare Werkzeuge vorzustellen, um die Mechanismen von Beständigkeit und Widerspruchsfreiheit für den persönlichen Fortschritt zu nutzen.

  • Ziele aufschreiben.

Auf den ersten Blick sehr simpel. Dabei höchst effektiv. Wer seine Ziele aufschreibt, für den werden sie bereits ein wenig realer. Er beschäftigt sich ein bisschen intensiver mit ihnen und erlebt die sensorische Erfahrung des Niederschreibens. Diese augenscheinlichen Kleinigkeiten bewirken langfristig viel. Das Unterbewusstsein spricht darauf an. Durch das Aufschreiben programmiert man das Unterbewusstsein auf den Zielzustand. Dabei ist das Ziel in der Gegenwartsform zu formulieren und zwar so, als sei es bereits erreicht. Beispiele: Ich absolviere einen Halbmarathon in zwei Stunden; Ich ernähre mich gesund und ausgewogen; Ich bin ein erfolgreicher Unternehmer. Dies wiederholt man am besten regelmäßig, beispielsweise als Teil der Morgenroutine. Der Gedanke wird zur Gewohnheit. Diese Gewohnheit führt zu neuen Handlungen, die zu neuen Resultaten führen.

 

  • Umgebung schaffen.

Gestalte Wohnung, Arbeitsplatz und sonstige gestaltbare Räume auf eine Art und Weise, die dazu verleitet, gute Entscheidungen zu treffen und gute Gedanken zu denken. Beispiel Ernährung: entferne alle Süßigkeiten und ungesunden Nahrungsmittel und platziere stattdessen Nüsse und Obst. Ebenso mit mentaler Nahrung: raus mit Zeitungen und Werbeprospekten und an ihrer Stelle gute Bücher und eventuell hochwertige Magazine. Auf diese Weise eingerichtet wirken die Räume stimulierend und inspirierend. An die Umstrukturierungsmaßnahmen ist man schnell gewöhnt und die Umgebung ist fortan ein Unterstützer auf dem Weg des persönlichen Fortschritts.

 

  • Soziale Kontrolle

Sobald man anderen von seinen Plänen erzählt, fühlt man einen stärkeren Druck, sie umzusetzen. Soziale Kontrolle ist eine mächtige Kraft und man kann sie für sich nutzen, indem man sich ihr bewusst und gezielt aussetzt. Dies kann funktionieren, indem man seine ausgewählten Ziele über soziale Medien an Freunde und Bekannte veröffentlicht. Der innewohnende Drang nach Widerspruchsfreiheit wird in der Folge dafür sorgen, dass man sich anstrengt, die Pläne zu verwirklichen. Man möchte sich nicht blamieren. Man möchte nicht hinter den geschaffenen Erwartungen zurückbleiben.

Abschließend

Die Methoden der chinesischen Gehirnwäsche aus dem Koreakrieg sind zeitlos und hoch effektiv. Dieser zweite Teil der Artikelserie befasste sich mit den Möglichkeiten, das menschliche Bedürfnis nach Beständigkeit und Widerspruchsfreiheit für den persönlichen Fortschritt fruchtbar zu machen.

Kennst Du noch andere Möglichkeiten, die aufgezeigten Methoden anzuwenden oder sind Dir die Taktiken selbst begegnet? Teile mir Deine Gedanken gerne mit an: kontakt@lionlogert.com.

Ich freue mich auf Deine Nachricht.

Bis zum nächsten Mal

Dein Lion

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